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Hamburg entdecken Miscellaneous

Wie erkundet man eine Stadt am besten? Oder: Wie kommt die rote Farbe aufs Papier?

Der Reihen nach. In der Rubrik ‚Hamburg entdecken‘ haben wir ja schon diverse Bezirke vorgestellt. Nun kommt eine Rubrik ‚Bunte‘ dazu. Ich entdecke nun schon zum dritten Mal die Stadt per Fahrrad. Da ich dabei nicht nur ein Stadtteil entdecke sondern meistens mehr als fünf durchfahre eben nicht rot oder orange oder blau sondern bunt.
Mit der Weile habe ich mein Rad repariert und mich bereits drei Mal auf den Sattel geschwungen. Erst 23 km von Eidelstedt über Stellingen in die HafenCity. Dann, ca. 2 Wochen später, von Eidelstedt über Dammtor ein Mal um die Binnen- und die Außenalster, Landungsbrücken und Dammtor. Zweite Tour: 30km. Die dritte Tour brachte mich dann eben wieder von Eidelstedt, durch den Volkspark, an den die Ärzten vorbei die gerade auf der Trabrennbahn spielten, durch kl. und gr. Flotbeck und treppauf-treppab durch Blankenese ab nach Rissen – 32km.

Die Kilometer sind meist entstanden durch die Strecke von Eidelstedt Richtung Süd. Das sind meist schon mal 12-15km. Durch die unorthodoxe Art in Achten durch die Stadtteile zu kurven ergeben sich schnell die anderen Meter.

Tour 1 von Eidelstedt über die Wagenburg und dem Schulterblatt, vorbei am Michel in die HafenCity.

Nachdem mein 10kg-Fahrad nun nach 1,5 Jahren auf dem Pankower Dachboden nun wieder fit gemacht wurde, sollte der erste Einsatz gleich einmal quer durch die Stadt sein. Quer durch die Stadt heisst jedoch im Grunde genommen von einem Randgebiet zum Zentrum und da ist man schon wieder am Rand. Dass heißt zum einen dass Hamburg doch recht kein ist und zu anderen, dass das „so called“ Zentrum am Hafen liegt. Und unterhalb/südlich der Elbe ist bekanntlich nichts mehr. Wie auch immer bin ich von Eidelstedt kommend erst durch ein wenig ulkige Gegend gefahren – Kneipen mit Namen wie ‚Paules Eck‘ und ‚Bei Harry‘. Beide sehen nicht gerade aus, als wolle man dort den ‚frischen Fisch‘ zu sich nehmen. Und wenn Bier, dann nur aus der Flasche. Weiter geht’s es dann durch eine Gegend wie sie typisch ist für Hamburg: alte Einfamilienhäuser in Backstein gemischt mit kantigen eckigen und verwinkelten Neuhauhäusern. Gut. Das hat man bei schneller Fahrt in 10 Minuten hinter sich.

Und schwups sind wir vorm Hagenbecks sein Tierpark. Dort spielten neben dem Eingang ganz virtuos die acht Stehmusiker in einem Asiatischen Pavillon. Ebensoviele Zuhören schauten die Künstler an wie sie zuvor die Tiere 5 Meter weiter anschauten. Weiter ging es Richtung Innenstadt. Schwups ist man an der Osterstrasse vorbei an der Lutterothstraße. Hier sagen sich Mercedes SLK Bj. 67 und orange BMWs Bj. vor 60 „gute Nacht“. Nachdem sie jedoch mehr Runden um die Blöcke auf der Suche nach einem Parkplatz drehten haben, als ein Luis Amstrong Tritte in die Pedale drückte. Die Atmo der Gegend ist wie die Youngtimer die da rumstehen: das Unbequeme nimmt man gerne für ein bisschen Chick und Hip in Kauf, man hat schließlich schon graue Schläfen und zögert die Midlifecrisis noch bis in die jungen 40ger rein. Die Cafés sind dementsprechend auch mit jungen hippen 40+Jahrigen bevölkert. Es gibt in den Gassen, wo die reich verzierten Häuser etwas zu eng stehen noch diverse Läden, die sich mit Maßschneiderei und Restauration alter Möbel beschäftigen. Dass Hamburg doch irgendwo eine Großstadt ist, sieht man daran, dass es doch eine gewisse Durchmischung gibt: nicht Alle sind so. Es gibt auch kleine Läden die humane Preise haben, spätkaufähnliche Kioske und Budnies (Budnikowsky ist eine recht verbreitete Drogenkette). Ebenso gibt es vereinzelt auch Menschen, meist jüngere, die sich an Ecken und Straßenkanten niederlassen, um ihr Malzbraugetränk in entspannter Lage zu genießen.

Überquert man die Grenze Fruchtallee/Schäferkampsallee – die sich von Nordwest nach SüdOstOst zieht, und an der die U-Christuskirche und Schlump liegen – kommt man in die Schanze, neben Altona eines der zwei Möglichkeiten unter Jungvolk angenehme Kneipen aufzusuchen. Dort – zumindest in der Nähe, aber eher Holstenstrasse – stieß ich auch auf die der Bar 25-ähnlichen Holzbauten des Central Parks Hamburg. Da ich jedoch mit dem Rad unterwegs war, die aber draußen angebunden werden mussten, ich das meinem aber nicht zumuten will, blieb mir ein spärlicher Blick von Draußen. Reichte auch erst einmal. Da an diesem Abend eher krawattierte Herren und Damen in Kleidern zur Klientele gehörten. Weiter also an den zahlreichen Bars und Kneipen am Schulterblatt und in der Susannenstraße vorbei in Richtung HafenCity.

Der Central Park war mal nen wagenburgähnliches Bauerk aus Holzlatten, heute scheint das etwas mehr hipper zu sein

Auf dem Weg dahin kommt man bei meinem Fahrstil, der eher von kurzen Impulsen geprägt ist, spontan schnell mal Irgendwohin. Impulse die durch diverse, zum Teil unerheblich, kaum merkbare Dinge ausgelöst werden und dazu führen, spontan die Gasse reinzufahren oder einfach noch einmal zurück und die Vorletzte Straße recht oder auch einfach Fahrrad schultern und ab die Treppe auf oder ab. An dem Abend waren die Impulse um den Michel recht zahlreich – und immer der Selbe: in komplett Weiß gekleidete Menschen, jung alt Mann Frau Familien Paare Singles. Wenn man zur Quelle will, und das wollte ich, dann schwimmt man gegen den Strom. Und schwups stand ich vor einem Meer von um die geschätzten 5.ooo Leuten, die sich mit ihren weißen Kleidern, ihren weißem Tischen und Stühlen, dem weißen Geschirr, Weißwein und Wasser und allerlei Speisen, die sich auf den Wiesen unterhalb des Michels zu einem einzigen riesigen Openair-Spektakel versammelt hatten. Als ich dort ankam aßen die meisten genüsslich mitgebrachte Speisen, einige chillten und schauten umher wie einst Hemingway entspannt seinen sinnieren Blick über den menschenleeren Ozean schweifen lies. Der Vergleich hinkt nicht, weil: die Leute nahmen an einem Weißen Dinner teil, waren mit Sack und Pack angereist und verbrachten gerade einen der schönen Momente im Leben, sie waren auch eine Gemeinschaft, alle kannten sich irgendwie, waren alle gleichrangige Teile einer Bewegung, einer eingeschworenen Gemeinschaft. Das alles zusammen machte sie zu interessierten Beobachtern deren Aufmerksamkeit zwar geschärft ist, deren Wahrnehmung konzentriert ist, aber es gibt eine in sich ruhende Zufriedenheit, eine Entspannung und das Gefühl der Geborgenheit. So sahen die Alle aus und so stelle ich mit auch die Situation auf Kuba damals vor.
So sneakte ich eine Runde um die Weißen Menschen umher, machte ein paar Fotos und versuchte mich so unauffällig wie möglich am Rande, im Dunkel zu halten. Es waren auch erstaunlich wenig ‚bunte‘ Schaulustige an den Rändern.
Wie stellt man sich nun eigentlich einen Flitzer auf einer solchen Veranstaltung vor? Ein Mensch in einem schillernd roten Morphanzug? Au ja.

White Dinner Hamburg 2012

Weiter geht’s. Gestartet war ich ca. 19 Uhr. Die Strecke zw. Eidelstedt und der HafenCity hatte ich dann in ca. 2,5 Stunden hinter mich gebracht. So kam ich gerade zur Dämmerung im ‚Neuen Stadtteil HafenCity‘ an. Auf dem Weg kaufte ich mir im U-Bahn-Kiosk Feldstrasse noch ein Astra-Dosenbier. Das ist übrigends auch ganz bezeichnend für den Freundes-/Bekannten-Status quo: je mehr Leute man nicht kennt, desto mehr trinkt man zuhause und unterwegs Dosenbier, je mehr Leute man dann kennt, desto öfter nimmt man dann Getränke in Lokalitäten wie Clubs, Bars und Kneipen ein.

http://www.elbphilharmonie.de/
elbphilharmonie
Marco-Polo

Kleiner Exkurs. Zurück zur Tour. In der HafenCity war einiges los. Die relativ frisch angelegten Marco-Polo-Terrassen waren voll mit Sonnenuntergangsguckern und redebedürftigen Freundespaaren. In einigen, dort nun schon etablierten, Restaurants und Bars gab es entweder geschlossene Veranstaltungen oder kaum einen freien Tisch. Von Irgendwoher kamen auch Konzertklänge einer jungen punkigen Band, was die Stimmung noch skurriler machte. Wer die HafenCity nicht kennt. Hier ein kleiner Versuch die Stimmung zu beschreiben. Die HafenCity ist ein neuerschlossenes Gebiet welches, wenn man davon ausgeht das die Innenstadt kreisförmig vom Rathaus ausgeht, im Innenstadtkreis liegt. Lange Zeit war es jedoch Freihandelszone und quasi unbewohnte Fläche, und am Hafen und der Elbe gelegen. Dort entstanden in den letzten Jahren unzählige Häuser, meist kubischer Art. Die meisten um die Marco-Polo-Terrassen etwa 15 Meter hoch, einige andere Häuser bedeutend höher. Das sind vorrangig dann die Unternehmensgebäude von zum Beispiel Unilever. Alles ist eben recht neu und auch für bereiste Leute recht futuristisch anzuschauen. An der Spitze der HafenCity thront seit ein paar Jahren die werdende Elbphilharmonie mit ihren Kränen. Ein Milliardenloch das m. E. ganz nett anzuschauen ist. Nicht zuletzt weil es beeindruckend ist, wenn man recht nah dran steht. Mein Ziel war es nun das noch kalte Astrabier an der anderen kleinen Spitze, umgeben von Wasser, zu trinken. Andere – zwei Fotografen mit Stativ und ein älteres Paar – sind ebenso durch den Zaun geklettert und haben sich zu dieser Spitze begeben. In der Gesellschaft trank ich dann mein Bier. Und ward ganz melancholisch als da das Containerschiff vorbei fuhr. Eine SMS an eine weitgereiste Freundin: Ui Meike.das würde dir sicher gefallen: sitze gerade HafenCity ganz vorn, gegenüber Philharmonie, grösses Containerschiff fährt mit laut „Love is in the Air“ vorbei, Dämmerung nun fast komplett – grosses Kino.somit liebe Grüsse.n.

Unilever und so…
Tour 1

Soweit dazu. Da ich mir aber nach 30 Minuten in kurzer Hose und T-Shirt den Arsch abfror, trat ich die Heimreise an. Nur diesmal durch ein anderes Loch im Zaun – und somit mitten durch eine feiernde Gesellschaft. Ich hörte nur am Rande Stimmen, die so etwas murmelten wie ‚wie kommt der hier rein‘ oder ’schau mit rad‘. Als ich zu der Absperrung, quasi hinter der Gesellschaft, kam, steuerte ein Security-Mann auf mich zu und blieb verwundert stehen, als ich an ihm vorbei die Party verließ. haha. Die Nachhausefahrt trat ich dann per S-Bahn an. Da ich in Hamburg innerhalb von nunmehr 5 Monaten einmal kontrolliert wurde sparte ich mir die 3,9o€ und war 23 Uhr zuhause.

Astral

Wie die Farbe aufs Papier kommt, kommt im folgenden Artikel!

Von Jonas York

2012 : Ich bin ein Blogger. Will meinen Heimathafen Berlin mit dem Heimathafen Hamburg in 2012 tauschen. Für Alle die es interessiert sollen hier die spannenden und weniger spannenden Geschichten des Jonas Y aus B an der Spree die sein Umzug mit sich bringt niedergeschrieben und bebildert werden.

2017 : Fünf Jahre später, wir sind nun von Hamburg aufs Dorf gezogen. Zu den Geschichten zum Umzug sind einige zu Häuschensuchen und Kinobesuchen gekommen.
Einige zu Eltern und Kindern, nicht zuletzt weil wir nun Fünf sind.

4 Antworten auf „Wie erkundet man eine Stadt am besten? Oder: Wie kommt die rote Farbe aufs Papier?“

[…] Aufgrund von Schnullerentwöhnung, Weihnachten und diverser anderer Dinge ist Schlaf Mangelware und wird eingeschoben wann immer es geht… da ist für Computerspielen und Freunde, sowie Blogschreiben wenig Zeit. Aber es gibt genug zum Lesen in den anderen Posts…viel spass bei zum Bielspiel: wie-erkundet-man-eine-stadt-am-besten-oder-wie-kommt-die-rote-farbe-aufs-papier. […]

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