Angeln, Teil 2

Nachdem die ersten Angelversuche unternommen und die ersten Fische gefangen waren gings Unterdeck. Einen zweiten Kaffee am Morgen kann Keiner verwehren. Die Skiunterhose von Maggie war zwar top und erhöhte meine Kleidungsisolierung um 100%, aber so muggelig wurde es erst da unten. Nicht nur, weil da ein Stattlicher Hirsch…Dorschkopf an der Wand hing und der Seefahrerutensilien in Holzfarben gehalten an den Wänden, sondern auch die Enge und die zum Teil bärtigen Typen machten Unterdeck zu einer gemütlichen Kaffeestube.

Derweil fuhren wir kurz weiter zum nächsten Angelpunkt. Wie gesagt hatten wir unsere Kutterstellplätze nahe der Fahrerkabine, und da kam ich auch in die Gelegenheit Skipper etwas auzufragen z.B. danach, woher er weiß wos Fische gibt. Naja, das sind zu aller erst 35 Jahre Erfahrung bei Kutter zu Angelplätzen fahren, dann ist allgemein bekannt, dass die Sandbänke kennt man und findet sie anhand der Koordinaten auch schnell wieder. Wenn es zum Beispiel um Dorsch geht, dann hilft auch ein Echolot. Auf dem Bildschirm, der das ausgesendete und dann eingefangene Echo auswertet, bzw darstellt, kann man dann schon einmal einen größeren Fisch als kleinen Punkt erkennen. Und wo Papa-Dorsch ist ist gut Fischen. Bei Plattfisch ist das so ne Sache…Plattfisch hat was von nem plattgewalztem Tschernobylunfallfisch. Die haben die Augen auf einer Seite um sich so seitlich also flach an den Boden zu schmiegen. Genunfall, weil man sehen kann, dass das vermutlich mal vertikal im Wasser schwimmende Fische zu sein schienen. Nun eben an die Echolotdetektoren angepasst. Das meiste jedoch ist schlicht Erfahrungswert, wer eben 35Jahre 4-6 Mal die Woche rausfährt bekommt ein gewisses Gespür, wann wo viele hungrige Fische sind. Jedoch ist dabei nicht nur der Untergrund, sprich die Koordinaten wichtig, sondern auch das Wetter. Speziell das der letzten Tage. War die See unruhig, hinderte die Fische daran in Ruhe Würmer und Beutefische zu jagen/fangen/fressen oder sind sie satt.

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Zwischendurch kam Bootsmann…nein Chef von die Kutter längst fürn bissl Marketing-CRM-Schnack. Auch in dem Business ist die Konkurrenz grösser geworden. Auch hier geht es nun zum Teil um Beziehungsaufbau Anbieter/Nachfrager, kurze Gespräche zw Angler und Skipper. Da ist eine Nachfrage beim Kunden was zum Mittagessen vorbereitet werden soll Gold wert. Für mich sollte es und gab es schließlich auch: Schnitzelbrötchen. Vorweg noch ein Bier in der warmen Stube.

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Drei Dorsche udn ca 25 Plattfische.

Nach so ca 15 Gefangenen, gefangenen Plattfischen gabs dann Mittag…eben Schnitzel und Bohnensuppe. Derweil fuhr das Boot weiter in Dorschgewässer. Fertig mit Essen und den Lebensgeschichten des Skippers wieder Beine an Deck. Nächste Lesson: Peken. Dabei geht man gezielt auf Raubfische wie Dorsch. Dabei bedient man sich der Angeleigenschaft Biegsamkeit. Aber erst der Haken: ein Drillingshaken mit Kunststofffisch als Köder. Hat man den entsprechenden Haken dran und ein passendes Gewicht, dann hält man die Angel in einer Hand. Der Haken hängt an der Sehne ca 1,10 Meter von der Angelspitze entfernt. Mit dem Zeigefinger der haltenden Hand greift man die Sehne, löst den Bügel, der die Sehne sonst vor dem Abwinden der Spindel/Winde/Wieauchimmer abhällt. Dann holt man mit der Angel nach hinten aus…nein man bringt die Angel langsam überkopf hinter sich. Der Haken hängt rum. Dann schnellt man mit der Angel überkopf nach vorn. Durch das Schwingen gibt man dem Haken eine vorschnellende Bewegung und ordentlich Geschwindigkeit.

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Auf unserem Kutter wären ca 47 Plätze für Fischer. Gebucht waren dieses Mal 36 und eine Truppe von 5 sind nicht erschienen.

Hat man die Angel über den Kopf streckt man sie nach schräg vorn und lässt den Sehne los…der Haken beginnt zu Fliegen und die Sehne wickelt sich von der Spule ab. Dann wartet man wie weit der Haken fliegt, dann noch bis die Sehne sich nicht mehr abwichelt, denn wenn er ins Wasser Plumpst ist er noch nicht am Start – er muss noch zum Grund sinken. Da sind die Dicken Fische. Unten angekommen? Das fühlt der geübte Angler und ich, daran, dass die Sehne nicht mehr zieht. Dann gehts ans einziehen. Das wird, so hab ich es verstanden, Pekern genannt. Das knifflige ist nun sich mental in den kleinen…nein großen Fisch reinzudenken. Das geht am besten indem man sich erst einmal geistig in den Beutefisch versetzt. Fragt euch ‚wie würde ich schwimmen, wenn ein gewaltiger Dorsch in der Nähe und hinter mir her ist?‘. So könnt ihr, euren Geist erfolgreich in den gummiartigen Kunststoffköder transferiert, anfangen so zu schwimmen wie ein Beutefisch…und entsprechend den Köder und somit die Nagel bewegen. Das geht aus Sicht des Anglers gesehen so: ihr habt den Bügel natürlich nachdem der Haken auf dem Grund ankam, rumgeklappt; die Sehen ist straf gespannt; stellt die Angel auf, spitze gen Himmel, sodass sie wie ne Kerze steht; dann bewegt sie wieder Richtung Haken, also nach vorne, leiert dabei die Sehne auf die Spule zurück, sodass folglich die Sehne immer gespannt ist; wiederholen. Sinn und Zweck des Unterfangens ist den Köderfisch nachdem er den Ostseegrund berührte ca 1,5 Meter anzuziehen, dieser dabei in einem winkel bon 30-40 Grad aufsteigt (Anziehen der Angel bis in die Kerzenposition), um dann wieder abzusinken (Angel gen Haken bewegen, also nicht ziehen, dabei aber die Sehne einspuhlen, soviel wie eben die Vorwertsbewegung an Sehne hergibt). Dann wie geschrieben, das Spiel wiederholen. So ergibt sich ein Auf und Nieder immer wieder. Zack…Fisch beisst an. Bei mir beiste ein Dorsch an, der etwas über 40 cm war. Was sich später auch noch einmal an der Pfanne feststellen liess. In der er langsam zum essbereiten Zustand garte. Untermassig ist ein son Fisch wenn er unter 37 cm lang ist. Dann soll er so und so ins Wasser zurück. Bei meinem war ich mir erst unsicher, berichtete auch im Gespräch der schnippigen Tussi und Beischläferin des Skippers. Die mir dann ganz ‚Jungspund‘ mit ernster miene versuchte klar z machen das es beim Nageln nicht nur um Fangen geht, sondern um Respekt vor der Natur. Da dreht ich mich dann liebe ab und sprach mit dem Rentner, der zu Beginn der Angelsessions eine Flunder nach der anderen aus der Ostsee zog, wo die anderen noch dumm aufs Wasser schauten. So bekam ich auch meine Zubereitungsanweisung für Plattfisch – was im Grunde nur Salzen, Mehlen und braten war. Dazu Kartoffeln mit Butter und Salz. Bier. Danke Helmut.

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Maggies Fang, der bekommt noch ein paar Jahre. Der tapfere Kleine, wie der den großen Haken nachjagte, toll.

So fuhren wir insgesamt zu 6 Stellen für Plattfisch und noch einmal 6 für Dorsch Pekern. Ergebnis: 3 Dorsche, 25 Plattfische. „der Dreck sollte hierbleiben, wenn du die Scheisse einmal zuhause gemacht hast, hast du das gelernt…immer schon auf dem Kutter den Fisch ausnehmen und Putzen“ Yes Sir Rico Sir (filmchen hier https://vimeo.com/54200396 ). Was son ordentlicher Wald und Wiesenjäger ist, der hat auch so eigenes Durch frisches Blut erlegter Tiere vergoldetes Besteck. In dem Fall ein scharfes Messer ähnlich eines Stilette. By the way, Dorsch wird gleich nah dem einholen der Knüppel übers Fell gezogen. Dorschausnehmen geht nun folgendermaßen: nimm das Messer, setze es mit der Schneide nach oben zeigend ca am Arsch des Fisches, welcher auch nach oben zeigt an. Sprich steche dort rein Richtung Kopf, achte darauf, dass du kurz unter der Haut langfährst. Soll heissen, Messer reinstechen, reinschieben und dann nach oben heben um den Fisch aufzuschlitzen. Kurz unter der Haut, sodass man nicht die Innereien schneidet, insbesondere die Galle. Sie sitzt recht weit oben. Dann klappt man den Fisch auseinander, also den Bauchraum, nimmt die Innereien und Zieht sie nach oben. Dann hat man die in der Hand, sie werden jedoch recht fest noch von der sehnigen Speiseröhre am ‚Hals‘ des Fisches festgehalten. Die schneidet man idealer weise durch. Dann nimmt man das Zeug und schmeißt es ins Wasser… der Versuch es den Mowen vor die Nase in die Luft zu werfen…missglückte. Sie zogen sich das Zeug dann frisch aus dem Wasser. Fertig. Ich wollte meinen ganz in die Pfanne hauen. Alternativ schneidet man die Filets raus. Kann ich aber noch nicht.

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Der Kutter, Diesel, in den Tonnen gibts aufblasbare Schwimmrettungsbote, die jedes Jahr einmal grob gewartet werden.

Die Plattfische bedient man anders: man nimmt eine kräftige Schere, schneidet einfach den Rand und somit die stacheligen Flossen ab. Dann von unten in den Hals. Zur Hälfte, den Kopf zeiht man dann ab. Zu guter letzt nimmt man noch den Dorn raus. Da ich aber keinen Plattfisch so malträtierte will ich mich über Details nicht äußern. Nur soviel, das wir, eine Auserwählter dann die Fische entschuppen durfte, mit einem anderen Robusteren Messer den feinen Schuppen abschaben und eben ‚auf dem Kutter lassen‘. Andere Angler machten das ebenso. Nur mit zum Teil ausreichend Meerwasser aus dem Schlauch und auf speziellen Brettern aka Ablageflächen…nicht wie wir auf den Sitzbänken. Nun ja, dann wurde der Fisch verteilt. Masterchef Rico wollte, aufgrund aus den Nähten platzender Fischkühltruhe, keine. Maggie aufgrund der bevorstehenden Arbeitswoche, ohne vorher nach Hause zu kommen, keine. So teilten wir die Beute zw uns drei Frischlingen auf. Zuhause fror ich dann den noch einmal abgespülten Plattfisch zu zwei Mal vier Fische ein und die zwei Dorsche eben gleich in die Auflaufform. Mit Möhren, Zwiebeln, Lauch. Alles rein zum Fisch, dann Brühe anrühren und rein damit. Ca 30 Minuten bei milden 170 Grad Celsius. Ist der Fisch fertig, dann wird man Probleme heben ihn in einem Stück auf den Teller zu bekommen, den, der ist dann Butterweich. Da wir nun schon beim Essen sind und wird hier Prost und guten Appetit gesagt.

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