Wann ist ein Weihnachtsmarkt ein Weihnachtsmarkt?

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Die Definition von Weihnachtsmarkt hat sich spätestens seit der Einführung von Tourismuszentralen geändert und seitdem die Stadtmarketingverantwortlichen mehr Gewicht in den Stadtverwaltung haben, ist es auch zu jedem Handycover-Händler vorgedrungen: „Den Geist der Weihnacht erlebt man heutzutage perfekt auf einem Weihnachtsmarkt der so aussieht wie zu Uromas Zeiten“. Da wo vor ein paar Jahren der Weihnachtsmarkt noch als Markt gesehen wurde und Waren aller Art – wie lustige Regenschirme, Flackerkerzen, Jeans mit tollen Aufdrucken mit geairbrushten Busenwundern – und aus allen Materialien (Kunstleder, Nylon und anderen Kunststoffen) verkauft wurden, da findet man heute vornehmlich Holz, Ton und Kerzenwachs in allen erdenklichen Formen und Farbe. Dazu hand- und hausgemachtes zum Verzehr.

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Warum? Tourismusstandorte und Destinationen haben erkannt, dass nicht der Umsatz von den Standmieten das ist, was der Gemeinde etwas bringt, sondern die Aufladung des Images und das monetäre Geschäft am Rande. Es ist eine einfache aber unglaublich gewinnbringende Rechnung: schaffe für Touristen und Einheimische eine wundervolle Weihnachtserfahrung und sie werden a) überhaupt erst in die Städte kommen und b) auch Umsatz in die lokalen Geschäfte bringen. Gerade Hamburg ist eine klassische Kurzurlaubsstadt. Hier kann der geneigte Tourist gerne drei volle Tage verbringen und zu Städtereisen gehört auch das Stoppen. Die Rechnung lautet also „angenehme Weihnachtsatmosphäre=viele beschwingte Besucher=hoher Umsatz“. Und was kann besser den Geist der Weihnacht verkörpern als ein Weihnachtsmarkt, wo die Handwerker ihr Geschick am Lederstanzeisen oder am Bunsenbrenner unter Beweis stellen, wo es leckeren Glühwein und Grünkohl gibt. Buden aus Holz, Feuerschalen in denen Buchenholz wohlige Wärme spendt und alle Verkäufer aussehen wie die Gastwirte aus dem „tänzelnden Pony“ aus Herr Der Ringe.
Und es funktioniert auch für den Händler: wenn an dem Stand authentisch klar gemacht wird, dass man nicht hier sei, um das Geschäft des Jahres zu machen, dann macht der Händler das Geschäft des Jahres.

Win Win-Situation. Händler sind glücklich, Kommunen sind glücklich, Besucher sind glücklich. Ich bin es auch.
Heutzutage ist ein Weihnachtsmarkt ein Weihnachtserlebnis, hier kann man sich auf die Weihnacht einstimmen, weil man glaubt, dass Weihnachten früher etwas tolleres war, es hier ja alt und authentisch ist und weil alles so wie bei Astrid Lindgreens Dorfmärkten aussieht.

So und wem das hier zu ketzerisch war, dem sei gesagt: ich mag das so. Einziges Manko ist natürlich, dass schöne Weihnachtsmärkte auch meist schön voll sind.

Nun ja, Weihnachten 2014 ist es und wir schicken uns an nach Eisenach zu fahren. Bereist am 19.
Grund dafür ist der Weihnachtsmarkt auf der Wartburg. Dieser wird nun schon seit einigen Jahren dort ausgerichtet und meist am bereits einige Tage vor Weihnachten abgebaut. So schaffte ich es die letzten acht Jahre nicht die Wartburg zur Weihnachtszeit zu besuchen. Nun hat es endlich einmal geklappt. Wir sind mit dem Auto in die Stadt und haben dort im „Wartburg Weihnachtsmarkt Bus“ vier Tickets für Erwachsenen gekauft, acht Euro. Kinder zw. sechs und vierzehn 3 Euro, Busfahrt und der Eintritt. Auch hier hat es sich bewährt durch Eintrittsgelder die Klientel frei von Rumlungerern zu halten und auch die „nur Gucker“ etwas zur Kasse zu bitten. Lohnt sich. Jeder Cent. Im Grunde muss ich nicht viel über die Atmosphäre sprechen die eine 940 Jahre alte Burg, die seit 1999 zum Weltkulturerbe gehört, ausstrahlt.

Die Besucher waren zahlreich und mit bester Laune erschienen, widererwartend war der Ansturm der Besucher noch im Rahmen, einzig und allein auf der Treppe, die der einzige Weg zum Haupttor war, gabs etwas Warten auf den Vordermann. Die Besucher waren eine Mischung aus Einheimischen und Thüringische sprechende und Ehepaare, die sich meist in Hotels einquartiert, eher als in Pensionen oder bei Bekannten. Auch viele Kinder, für die diese Burg sicher ihren ganz eigenen Charm versprüte, ganz besonders in Anbetracht der unzähligen Kinderbücher zu den mediaevel-Zeiten mit Roß und Reiter und Burgfrolleins.

Rund um war es ein tolles Erlebnis und ich hoffe den Kindern war es die Wanderung wert.