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Autokauf Teil 1 -von der Recherche bis zum Bezahlen

Wir haben das große Glück aus Berlin zu kommen, drei von uns in Berlin geboren zu sein und eine mindestens 5 Jahr dort gewohnt zu haben. Toll war es dann auch 1,5 Jahr in Hamburg zu leben. In Bezug auf ein Fortbewegungsmittel ist das nämlich sehr angenehm und recht preiswert. In Berlin zum Beispiel bin ich Jahre lang als Student und aufgrund guter Beziehungen auch lange für 35 Euro pro Monat quer durch die Stadt, mit den öffentlichen Verkehrsmittel. Auch wenn die in Hamburg sehr unkoortiniert zu fahren scheinen ist es in Großstädten allgemein hin so, dass man von A nach B in kurzer Zeit kommt. In Berlin auch bequem und meist mit weniger als 200 Schritten. Somit ist ein eigenes Auto nur notwendig, wenn etwas transportiert werden soll, dafür gibt es jedoch in Berlin Robben&Wintjes, ein Britschenwagen für 3,50€ die Stunde, plus Sprit. 
Naja und wenn man mal weiter weg will, das wollen Berliner aber eigentlich nicht… nie. 

In 2012 hatten wir dann das Angebot, das

Glück vom Oma einen Volvo V40 für’n Appel und nen Ei zu kommen. Grade vorher hatte er einen Unfall, der den Wert schlagartig um 3.500 Euro reduzierte. Folgen für das Fahrzeug oder die Sicherheit gabs es bei dem Unfall nicht. So dient uns das gut erhaltene Gefährt seit dem nun schon 3 Jahre tapfer. Mit nunmehr 15 Jahren und 215T km ist es aber an der Zeit. 

Jennifer, die auch schon die Urlaubsakomodationen recherchiert und auch sonst so, danke Lidl und Kinderspielzeugangeboten, E-Bay-Hot-deals etc-Recherche, ganz gut im Suchen und Vergleichen ist, hat einen Wagen aufgetan. Dabei wurden Baujahr (2005+), Größe (Sitze mindestens 5, besser 7), Ausstattung (uns eigentlich egal), Gesamtzustand (idealer Weise Scheckheftgepflegt, sprich regelmässig zur Inspektion) mit unserem Budget abgeglichen. Nun bin ich auf dem Weg nach Bremen um das Fundstück von Jennifer ein zweites Mal in Augenschein zu nehmen. Und mitzunehmen. 

Hier ein kurzer Abriss des Findungsprozesses, der mir reichlich ungewöhnlich vor kommt aber letztlich, so hoffe ich, zu aller Zufriedenheit führt. 
A) Jennifer recherchiert, findet ein Angebot in der Nähe, privat, Renault Grand Scenic in ok-Zustand… für den Preis, mir gefällt er nicht, letztlich Absage 
B) Angebot vom nahegelegenen Händler, Auto wie neu, Verkäufer aber anscheinend wenig interessiert uns mehr über den Wagen zu sagen als: super Farbe und der ist doch ideal für ne Familie wie sie (schien wertfrei gemeint zu sein), am Telefon auch wenig höflich – kein Rückruf, keine Detailinfos. Absage allein schon aus Ärger über diese Unmöglichkeit (Neumann Mobile in Rellingen Schulnote 4 von 6) 
C) bei dem Angebot der Citroen C4 stand eigentlich nur auf der Minusseiten, dass das Auto in Bremen steht und von Cars&More angeboten wird. Ansonsten schien es ein gutes Fahrzeug – Diesel, 2011 Scheckheftgepflegt, allem SchnickSchnack und so. Da es ein DK-Import war und somit mit Dänischen Papieren schien sich die Nachfrage etwas zu begrenzen, im Gegensatz zu dem selben Auto, wenn es aus Deutschland kommen würde. 

Hier nun der Kaufprozess zu c) 
1) in Bremen angerufen ob das Fahrzeug noch da ist, ja 
2) an einem Wochentag nach Bremen gefahren, um sich das Fahrzeug anzuschauen, haha: ich, dessen einziges Auto ein Ford Tempo, ein Jahr in den USA war, für 1000$ 
2.1) kurz mit dem Händler, ein kleiner arabisch sprechende Schlawiner (wie vermutlich alle Autohändler), die Angaben aus dem Internet rekapitulieren. 
2.2) Autoinspektion alleine: Außenbereich – Fahrfehler-Kratzer, Gebrauchsspuren und Gebrauchskratzer – Autoschlüsselkratzer an Tür, Abnutzungen im Innenbereich, niedergetretener Fussräumebelag, Reifenabnutzung – Profiltiefe, gleichmäßige Abnutzung (Hinweis auf Achsprobleme, wenn n ich gleichmäßig), Winterreifen im Kofferraum sind sehr runter (sollten aber noch „ein, ach zwei Winter halten“, hahaha, vier), Motorraum-Check – Schwein-Uhrwerk-Angelegenheit, jedoch sah alles noch gut aus, der Sand auf Kanten zeugte auch davon, dass hier nicht Öllecks und andere Probleme „wechgeputzt“ wurden. 
2.3) Probefahrt. Dass ich meinen Ausweis nicht dabei hatte, war im Grunde ein Argument, den kleine Schlawinder davon zu überzeugen, mit mir eine Probefahrt zu machen. Mein Anliegen war es mit seiner Hilfe schnell zu Ecken und Straßen zu finden, wo ich das Fahrzeug gut testen konnte. Er billigte ein, obwohl er mich vermutlich auch hätte allein fahren lassen. Gute Teststrassen zu finden war jedoch in der Gegend, auch mit Schlawiner im Auto, nicht so einfach, da alle Straßen meinst ruhige enge Einbahnstraßen waren. 
Augenmerk legte ich während der etwa 15minütigen Fahrt auf die Motorgeräusche indem ich bewusst sehr ruhig fuhr und versuchte auf Auffälligkeiten zu achten: Rasseln, Haken, Schlagen oder Ähnliches. Ich lies ihn auch einmal paar Mal 50km/h im zweiten Gang fahren, um so eine ‚Belastung‘ zu simulieren, die einer Beschleunigung auf der Autobahn mit 4T Umdrehungen plus im 5 oder 6 Gang gleich kommt. Ansonsten war ich primär damit beschäftigt die mir sehr ungewohnte Amatur zu studieren, ohne in andere Autos zu donnern. Das meiste was im Volvo noch Nadeln waren, war hier digital. Inklusive der Geschwindigkeitsanzeige, Umdrehungen und so. Sehr ungewohnt aber auch gleichzeitig sehr beeindruckend war die Menge an Glas, die da vor einem die Sicht auf die Straße bot. Das in Kombination mit der erhöhten Sitzfläche fühlte sich etwas an wie eine Reise im Spaceshuttle der Enterprice, E-Klasse mit Jean-Luc Picard. Die Sitze sind angeblich Sportsitze. Bestätigen, dass ich mich nun sportlicher fühlen bzw. die Sitzung ein wenig sportlicher ist als auf ’normalen‘ Autositzen, kann ich nun nach zwei Wochen mit dem Auto fahren, nicht. 
Nun fuhr ich mit dem Citroen ein Stück eine normale Straße. 
Zum kurz für eine professionelle Autobegutachtung, aber schon dass ich Null Peilung habe, so is das einfacher. Nun bin ich mit dem positiven Gefühl nach hause: das ist ein gutes Angebot und wäre ich etwas erfahrener im Autokauf, dann könnte ich mich auch freuen.  
2.4) verabschieden taten wir uns mit den Worten: meine Frau kommt am Donnerstag, in drei Tagen, und schaut sich das Auto auch an. So der Plan. Und ich für wieder nach Hamburg zurück. 
3.) Ferndiagnose. Zurück zu Hause hatte ich nun ca 30 Bilder und schickte nun ein paar Leute mal in die Spur. Sascha, ehemaliger KFZ-Mechaniker, Alexander, meinen Chef – Automensch – und meinen Kollegen Dirk – wenn er was macht, dann hat er soviel Angst nen Fehler zu machen, deswegen Check er alles immer acht Mal – bat ich, sich die Fotos anzuschauen und Feedback zu geben. Alle sagt, dass das Fahrzeug gut in Schuss sei, es keine größeren Mängel habe und dass der Preis ganz angemessen sei. Natürlich waren die Aussagen zu dem Fahrzeug kein eindeutiges Argument für oder wider, jedoch gaben die Einschätzungen ein paar Punkte wider, auf die man noch achten sollte. Beispielsweise lernt ich, dass eine Steuerkette eines Diesels erst ab 250T km reparaturbedürftige wird (beim Benziener bei ca Hundertzehntausend). Oder, dass Anhängerkupplungen kein Zeichen dafür sind, dass das Auto, die ganze Konstruktion verzogen sein muss. 

4) Handeln. Bereits am nächsten Tag rief ich den Händler an und sagte ihm, dass meine Frau nicht noch einmal komme um sich das Auto anzuschauen. Wenn er mir nun einen ‚guten Preis‘ mache, dann würde ich das Auto nehmen. Darauf sagte er, dass es ein guter Preis wäre. Worum ich sagte, er müsse etwas runtergehen, nicht zuletzt, da die Winterreifen ’nun mal ehrlich, Schrott sind‘ und ich mich dann eher noch um die Entsorgung kümmern müsse. Ebenso sei das Fahrzeug zwar gut in Schuss, aber die Gebrauchsspuren am Wagen sind nicht zu übersehen. Ich nannte ihm einen Preis und letztlich stimmte er diesem zu. Nicht weil ich gut handelte oder fachmännisch Argumente auf den Tisch legte, sondern einfach weil es nur 3 Prozent waren. Da hat er sich vermutlich gedacht „ach, das arme Würstchen, die 3 soll er haben – solange ich noch meine 40 % Marge mache“. Quasi eine Win-Win-Situation. Für ihn. Für mich einfach die Erfahrung mal um ein Aufpreis verhandelt zu haben. Danke. 

5.) Fahrzeugpapiere. Der Plan war, dass der Händler uns die Papiere zuschickt und wir das Fahrzeug hier anmelden, dann mit den Nummernschildern nach Bremen kommen, bezahlen und das Fahrzeug angemeldet mitnehmen. Im Grunde wäre Jennifers Besuch in Bremen überflüssig. Nicht, dass sie nicht auch gerne das Auto vorher gesehen hätte und nicht, dass vier Augen mehr potenzielle Mangel entdecken würden, aber es wäre logistisch nicht so einfach und auch nicht so sinnvoll gewesen, wenn sie auch noch zum Autohändler gefahren wäre. So warteten wir nun erst einmal vergebens auf die Papiere. Warum vergebens? Die Post streikte zu dieser Zeit. Zwar beteuerte der Händler, dass er die Fahrzeugpapiere bereits losgeschickt habe, jedoch wuchsen unsere Zweifel mit jedem Tag. Letztendlich – letztlich und endlich kamen die Papiere mit der Post nach 10 Tagen an. 

6) KFZ-Zulassungsstelle. Die Anmeldung der PKWs bei der zuständigen KFZ-Zulassungsstelle übernahm Jennifer, nicht zuletzt, da es auf sie anmeldet werden sollte. Dazu waren folgende Papiere nötig: 
– Kaufvertrag, mit meinem Namen drauf, daher noch ein 
– Fax von mir, von der Arbeit gesendet, dass Jennifer das Auto auf sich anmelden kann 
– Autobrief, in diesem Fall die Dänischen Papiere 
– Geld für die Zulassung, eine Gebühr und für das 
– KFZ-Kennzeichen, welches dort vor Ort gepresst wurde 
das war es. Abgesehen von en wenig Wartezeit ist es eine kurze schmerzlose Sache. 

7) Finaler Autokauf in Bremen. An einem Samstag bin ich gleich am Morgen mit dem Zug nach Bremen. Mit einmal Umsteigen, Bahn-Straßenbahn, war ich ca 1,40 h unterwegs. Als ich dann 10Uhr zum Autohändler bin, war der Kollege bereits da und wunderte sich, dass der Chef noch nicht da war. Der Chef war der Händler bei dem ich mir das Auto zwei Wochen zuvor anschaute. Ich bekam die Schlüssel und schaute mir das Fahrzeug noch einmal an. Und ich muss sagen, dass ich mich nicht an die vielen Kratzer erinnerte. Ich .hatte jedoch beim ersten Besuch ein paar Fotos aufgenommen und stand nun in der Sonne und versuchte die Kratzer auf meinem Kameradisplay von den Kratzer auf dem Fahrzeug-Bild zu unterscheiden. Es gelang mir und ich musste feststellen, dass ich die Weissen und Grauen Makel am Auto doch tatsächlichen fotografiert hatte. Nur mir dann anscheinend schöngeredet, oder ich habe sie tatsächlichen bei Bewölkung nicht so wahrgenommen wie nun bei strahlendem Sonnenlicht. Weiter mit dem Autokauf gehts im Teil 2, mit der ersten Fahrt und dem Steinschlag

Von Jonas York

2012 : Ich bin ein Blogger. Will meinen Heimathafen Berlin mit dem Heimathafen Hamburg in 2012 tauschen. Für Alle die es interessiert sollen hier die spannenden und weniger spannenden Geschichten des Jonas Y aus B an der Spree die sein Umzug mit sich bringt niedergeschrieben und bebildert werden.

2017 : Fünf Jahre später, wir sind nun von Hamburg aufs Dorf gezogen. Zu den Geschichten zum Umzug sind einige zu Häuschensuchen und Kinobesuchen gekommen.
Einige zu Eltern und Kindern, nicht zuletzt weil wir nun Fünf sind.