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Eltern und Kinder Hamburg entdecken

Geburtstag, der 38. – mit FRAKTUS, eine Stadt sieht einen Film und Meute im Knust

So ein Geburtstag ist eine zwiegespaltene Sache für mich. Zum einen ist es ein Ehrentag, an dem ich etwas Besonderes machen will. Erleben (passiv) und veranstalten (aktiv). Zum anderen glaube ich (glaube) in den Dekade davor so enttäuscht worden zu sein, dass ich eigentlich nur meine Ruhe haben will. Enttäuscht von zu wenigen Partygästen und zu unpassenden Geschenken.

Nun ein kleiner Abriss meines 38. Geburtstages, mit ein paar Anekdoten zur Vaterschaft, sodass ich es niedergeschrieben habe und unter einer Rubrik, der der Eltern-Kinder-Geschichten, veröffentlichen kann.

Vor 3 oder 5 oder 7 Wochen saß ich mit Daria und Jens und Erina in Altona in einer Schnitzelkneipe, aka Filmhauskneipe, und hatten einen Kinoflyer des Zeise-Kinos vor uns: am 30. April läuft in 16 hamburger Kinos wieder „Eine Stadt sieht einen Film„. Dieses Jahr: FRAKTUS.

Eigentlich eine Superidee, da ist mein Geburtstag, trotzdem eine super Idee.

Eine Woche vor einem Geburtstag kaufte Jennifer die Aftershowpartykarten fürs Knust und zwei Tage später die Karten fürs Savoy.
Es erinnert mich an meinen 22 oder 23 Geburtstag, als ich mit meinem Vater in Blade 1 und 2 ins DoubleFeature ging, Schönhauser Allee, Colloseum. Ein Kino in den Hallen ehemaligen Pferdestallungen für Strassenbahnpferden.
Ein Vatergeburtstag bedarf einiges an Vorbereitung, wenn man ihn mit seiner Frau und der Mutter seiner Kinder, idealer Weise sind Mutter und Frau eine Personalunion, verbringen will. So bestellten wir Schwiegermama, sodass sie am Tage auf die Kinder aufpasst, wenn 12 Uhr der Kinofilm läuft, wir am Nachmittag in der Sonne Kaffee und Kuchen zu uns nehmen und am Abend der Aftershow im Knust fröhnen. So war der Plan. Und wie es so will kam uns der Gott des MagenDarmVirus dazwischen. Emilia hatte die letzten Tage schon „die Kotzerei“, nun hat sie auch die liebe Jennifer. Aus Tapferkeit und Trauer über Murphys Gesetz fuhren wir zwei mit dem Auto ins Kino, obwohl sie am Arsch war. Der Film, lenkte sie ab, da er sich zwischen improvisiertem Schwachsinn und feingeistigen Bullshit bewegte. Ab von Rückenschmerzen und einem Bauchgrumeln, dass mich zum Glück nicht beim Filmschauen störte.

„Eine Stadt sieht einen Film“ 2017: FRAKTUS im Savoy Kino

Ein Bestandteil der Filmvorführung im Rahmen des „Eine Stadt sieht einen Film“ sind die Gespräche und Fragen und Antworten von einigen der Filmcrew. Teile der Cast und des Stabes tingeln durch die Stadt und beantworten nach dem Film Fragen des Publikums. Bei uns kamen pünktlich zum Abspann der Regisseur, der Filmer, der auch Protagonist war, der erste Kameramann, zwei Jungschauspieler, die die Protagonisten in jungen Jahren spielten und ein Tross von Fotografen und Leuten vom NDR.
Letztlich kamen mehr rein, als im Kinosaal zuvor den Film sahen. So konnte auch Jeder seine Frage loswerden.
Der Moderator, der ebenfalls so ambivalent wie der Film war, der sich zwischen „ich mache hier meine Show für mich“ und einer „chinesische Schwulette“ bewegte, stellte auch gute Fragen. Ich darf Schwulette schreiben, ich hab auch schwule Freunde.

Ich fragte wie viel der Film ‚geskriped‘ war und wieviel improvisiert – eben weil er so scheisse dilettantisch daher kam. War aber wohl alles über Jahre hinweg ganz genau in ein Drehbuch geschrieben worden. Der Regisseur war selber oft überrascht wie gut und vor alle schnell das Abdrehen, trotz präziser Vorgaben im Drehbuch, in der Realität klappte. Unter anderem wenn sie auf „echten“ Konzerten auftraten, als Spezial Guest für 3 Minuten, sodass sie „echte“ Konzertbilder mit großer Bühne und Publikum hatten. Jens fragte wie es kam, dass HP Baxter und Jan Delay (hier das ‚echte‘ Konzert von Fraktus @ Melt! Festival 2007) und andere Größen mitspielten, indem sie (Fake-)Interviews mit Statements zu FRAKTUS gaben. Hier geht es zum Film-Trailer: https://youtu.be/KDRNEdTQ9V8

Wie auch immer der Film zu bewerten ist, es war eine schön außergewöhnliche Veranstaltung, einem Nico-Geburtstag würdig.

Da kurz vor 14 Uhr nun immer noch die Sonne schien und wir Hunger hatten, beschlossen wir ins Quan do zu gehen. Jennifer eine Suppe mit ohne Alles. Jens und ich eine Hauptspeise mit Rhabarberschorle.

Mutterland Hamburg Hauptbahnhof

Auf dem Weg zurück zum Auto, das uns – vornehmlich Jennifer – nach Hause bringen sollte, sind wir noch bei Mutterland vorbei. Dort haben wir uns lecker Kuchengekauft, zumindest für mich, Schwiegermama und die Kinder. Ab nach Hause, sodass sich Jennifer hinlegen konnte.
Bisher verlief der Tag nun recht angenehm, einzig die Sorge um meine kranke Frau trübe zeitweise die Stimmung, jedoch nicht nachhaltig.
So waren wir pünktlich zur Kaffeestunde am heimatlichen Tisch und verspeisten genüsslich Schokokuchen und Käse-Sahne-Torte, während Jennifer versucht nicht zu kotzen.

Sprich: an der bevorstehenden Abendveranstaltung wird sie nicht teilnehmen. Zum Glück hatte ich geistesgegenwärtig noch an die bereits gekauft Karte für die Aftershowparty gedacht und diese auf den freien Markt geworfen, einigen netten Menschen das Mitkommen angeboten. Meine Schwägerin Hendrikje bekam dann den Zuschlag. Nachdem die Kinder im Bett waren bin ich los, um mich mit ihr an der Feldstrasse zu treffen. Ebenso Jens. Von dort sind wir in den neuen Jungle, der nun auch schon wieder eine paar Jahre dort ist, also nicht mehr so neu. Hier trafen wir die weiße Russin Daria und HC und tranken White Russian für unschlagbare 2,50 €. Unschlagbar im Geschmack, wenn man es mit vergorener Milch mit Strohhalm vergleicht. Die Party im Knust sollte nun 22 Uhr losgehen und wie die Jahre davor lies es sich am 30. April prima draussen aufhalten, mit einem kleinen leeren Glas ohne White Russian erst recht. Pünktlich zu 22 Uhr sind wir rüber und haben unsere Onlinetickets gegen einen Stempel und einen Flairbutton mit FRAKTUS-Smilie eingetauscht.

Nun galt es die Zeit bis zum Überraschungsauftritt eines Überraschungsgastes zu überbrücken. Da wir alle nette Zeitgenossen waren, kein Thema. Ebenso bot das Publikum eine illustre Mischung aus hipsterartigen jungen Menschen und alteingesessenen Knustgängern/-gängerinnen, sodass es was zu gucken gab. Es dauerte auch nur ein Bier lang, bis die ersten Crewmitglieder des Films aus dem letzten Kino auf der „Eine Stadt sieht einen Film“-Tagesliste kamen. Es waren natürlich nicht die Stars um Rocko Schamoni, sondern zwei der Jungschauspieler, die noch ihren Platz am Cinema-Himmel suchten. Und dann kam so langsam Bewegung in die wartenden Gäste, da ein weiterer Veranstaltungsraum, die eigentliche Bühnenhalle, aufgemacht wurde. Die Gäste verteilten sich erst im Raum, manche ergriffen die Chance beim Schopfe und kauften noch ein Bier… Und dann ging es auch schon los. Erst kam einer in einer roten Zinnsoldaten-Uniform an, dann noch einer, die Kenner der Hamburger MusikSzene grölten schon auf… Meute spiele auf.

MEUTE is a Techno Marching Band – http://www.Meute.eu

Ein Spielmannszug, eine Musikkapelle von Hamburgern, die mit klassischen ‚unplugged‘-Instrumenten Techno spielten.
Es ist nicht nur „ein Versuch so zu sein wie“, dass es eine Tofuwurst war oder eine Grünkernsojasteak, das Fleisch sein will, nein es war handfeste Musik. Es sollte nicht ‚wie Techno klingen und kein Techno sein‘ sondern eine solide Basis aus klassischen Instrumenten, die einzig das Ziel hatten geile Beats zu spielen, orchestriert. …“a dozen drummers and horn players from Hamburg/Germany who fulfil the job of a dj with their acoustic instruments“ – so der offizielle Text dazu.

Es war wirklich eine hammergeile Musik, ein gewaltig aka energiegeladenes Kunststück, diesen Blasinstrumenten so ein sattes Technoklangbild zu entlocken. Hier geht es zur Bandseite www.meute.eu.

Und so bewegte selbst ich mich so weit, dass man es Tanzen kennen könnten, mit viel Phantasie. Und die Leute gingen ab, ein Fest.

Nach einer Zugabe musste dann auch Schluss sein, sodass die Spacken, wie ich sie nun liebevoll nenne, von FRAKTUS auf die Bühnen kommen konnte.

FRAKTUS oder 2iwe kann man sich so doll fremdschämen. Kunst ist etwas anderes.
FRAKTUS im Knust, Hamburg, 30. April 2017 – la catastrophy „Kunst ist etwas anderes“

Wie schon der Film, so war das Aufstellen der Plattenteller ein Schauspiel. Ein junger Mann, er glich einem Bandroudy mit schwarzem Shirt und Basecap, der auch auf der 1. Mai-Demo hätte laufen können, zeigte wie es geht. Dem Schamoni und dem dürren Jacques Palminger. Es schien als würden die beiden Film-Protagonisten das erste Mal vor Turntables gesetzt und „hier, ich mache es euch mal vor und, damit das Publikum was zu lachen hat, macht ihr es mal nach…versucht es“. Das ging dann schon eine halbe Stunde so, und sie drehten Knöpfe und steckten Stecker, bis Rocko den gespannten Zuhörern sagte, dass sie ein Problem mit dem Bass hätten. Auf die Frage ob das Publikum das Problem auch hören würden kam ein klares „Nein“ verbunden mit der Bitte, dass sie doch endlich anfangen sollten. Insbesondere, da die Platten, die  bereits einmal in Rotation versetzt wurden, gute Titel spielten. Nach ein paar Liedschnipseln, lieblosen Liedwechseln, von Übergangen kann keiner reden, und den dummen „Yeah, seid ihr da, Yeah Yeah“ und „Super Musik, Yeah Yeah“ sind wir dann Yeah Yeah abgedampft. Was für Loser, so SAD.

Da Meute (www.meute.eu) jedoch so genial waren, die Gesellschaft von Hendrikje, Jens, Daria und HC so nett und das Knust so sympathisch, konnten mit FRAKTUS mit ihrem dilettantischen DJ-Set nichts anhaben. Es war ein sehr schöner Geburtstagsabend. So verabschiedeten wir uns alle gegen 2 Uhr und nahmen Rad und Bahn nach hause.
Und nach dem 38. Geburtstag ist vor dem 40. Und ich darf mir schon mal Gedanken machen ob ich in die Richtung gehe „kommt ehe keine Sau, spare ich mir ’ne Party und mach nen Ruhigen“ oder eher: Party, feiert mit mir mein Altwerden.

Von Jonas York

2012 : Ich bin ein Blogger. Will meinen Heimathafen Berlin mit dem Heimathafen Hamburg in 2012 tauschen. Für Alle die es interessiert sollen hier die spannenden und weniger spannenden Geschichten des Jonas Y aus B an der Spree die sein Umzug mit sich bringt niedergeschrieben und bebildert werden.

2017 : Fünf Jahre später, wir sind nun von Hamburg aufs Dorf gezogen. Zu den Geschichten zum Umzug sind einige zu Häuschensuchen und Kinobesuchen gekommen.
Einige zu Eltern und Kindern, nicht zuletzt weil wir nun Fünf sind.

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