Einladung zur Putzparty, Schule freiwillig putzen

Was das Engagement in den Schulen der Kinder angeht hat bestimmt jeder eine eine Meinung und somit ein ganz individuelles Stundenkontingent das man aufbringen will, muss, kann.

Die Aktivitäten und der Stundenumfang pro Aktivitäten können dabei euch ganz unterschiedlich sein. Angefangen beim ‚must have‘, wie Elternabend und Einschulungsveranstaltung, über ’schould have‘ wie Elternsprechstunde und Sommerfest, bei dem man sich schon irgendwie drumherum drücken konnte, bis zu den ‚could have‘.

Die Möglichkeiten der „Könnten Aktivitäten“ sind dabei sehr, sehr vielfältig. Angefangen

bei der Monetären Unterstützung des Schulvereins mit monatlichen Beitragen oder Spenden, der Unterstützung jeder Klasse mit Unterlagen, wie Bücher oder Klebestiften etc. Die Könntenaktivitäten gehen bis hin zu realer physischer Hilfe bei Aufräum- oder Umbauarbeiten, bei Verschönerung durch beispielsweise Streichen. Ebenso solche Dauerbrenner wie die Pausenbrotebox, die Pauseninsel, wo Eltern den Kindern leckere Weissbrötchen mit Nutella drauf für schmales Geld anbietet.

Eine relativ kurzfristig ins Leben gerufene Aktion war die „PutzParty“.

Hier waren alle Eltern inkl. Kinder dazu aufgerufen am Samstag zwischen 10 und 12 Uhr die Klassenräume zu putzen. Einmal etwas gründlicher, als es die Putzkollonnen tun. Putzmittel werden gestellt, Eimer und Lappen sollten wir selber mitbringen.

Motivation bei mir und anderen

Soviel schon mal vorweg: pro Klasse war es maximal ein Elternteil plus Kind. Sehr enttäuschend. SO SAD. LOSERS, TOTAL LOSERS.
Die Anfänge, vielmehr die Basis meine Motivation zu solchen Aktionen geht zurück bis ins Jahr 1985. Damals, das Land in dem ich lebte, gab es noch, es hieß Deutsche Demokratische Republik, gab es neben den diktatorischen Staatsapperaten die Gesellschaftliches Engagement quasi ausdrücken, auch eine gewisse intrinsische Grundmotivation sich sozial zu engagieren. Sei es Altstoffsammeln der Jungpioniere bei alten Omas oder die gemeinschaftlichen Putz- und Aufräumaktionen am Samstag, genannt Subbotnik.

Hier wurden Arbeiter zwangsrekrutiert und taten etwas für den Nachbarn, für die Gemeinschaft.

Ansich eine gute Sache, mit meinen 10 Jahren, die ich zur Wende auf der Uhr hatte, kann ich heute nichts Nachteiliges daran sehen.
Meine Eltern, und hier wird es natürlich auch wieder wage, da schon länger her, engagierten sich ebenfalls in der Schule. Soweit ich weiss mein Vater als Fotograf diverser Veranstaltungen. Einfach aus dem Grund heraus, dass er ohnehin für die damalige Zeit viel fotografierte und evtl. auch aus der Laune heraus etwas für die Gemeinschaft der Schüler/der Schule zu tun.

Dann erinnere ich mich, dass er einmal Einladungen gestaltete, für Irgendetwas sowie die Klappkarten der Gruppenfotos der Erstklässler.

Allein diese Klappkarte war mein Motivmotor/Motivator für etwas mehr Engagement an der Schule als nur die Kinder hinschicken.
Bereits im Kindergarten, voll Tatendrang
Bereits als die Kinder im Kindergarten waren, da wollte ich mich irgendwie engagieren. Ich merkte jedoch bald, dass jeder Kindergarten, und auch die Kinderkrippen nicht wirklich Beteiligung von den Eltern haben wollten, geschweigen denn forderten. Das hatte sicher damit zu tun, dass die Erzieher meist so in ihren eigenen Welten lebten, dass sie jeder Einfluss von Aussen eher als störend empfanden. Ganz besonders merke ich das bei denen, die ihre 20 Jahre und mehr auf dem Kerbholz hatten.

Aber evtl. kann man nur so, so lange Erzieherin sein, wenn man sich seine eigenen Regeln und sein eigenes Nest fest zementiert. Da ist, klar jeder Einfluss wie umgesetztes Mitspracherecht ein Dorn im Auge. Ok, dann eben in der Schule.
Was hatte ich mir „nicht“ alles vorgenommen.
Ich wollte mich als Elternvertreter wählen lassen. So wollte ich nah am Lehrerkollegium sein, hören wie was erzogen wird und wie man den Kindern klar macht, dass sie nur ein Rädchen im gesellschaftlichen Getriebe sind, Unkonformität und Individualität keine Zukunft hat.

Wie die Lehrerschaft er begründet, dass man nicht Blumen im Schularten giesst sonder auswendig lernen soll: gissen, Sonne, riechen, Sommer, Biene und so weiter.

Ich wollte nicht nur wissen und zuhören, sondern auch meine Meinung bei Abstimmungen abgeben. Meine „Meinung abgeben“ freudscher Versprecher – also nicht die Meinung bei Betreten der Versammlungshalle an der Garderobe für eine Stunde hinterlassen, sondern einfach „Ja“ zur neuen Farbe auf dem Clo geben und mein „Nein“ wasauchimmer.
Was ist es geworden. Was habe ich letztlich zum Klassenverband, zur Unterstützung beigetragen.
Letztlich ist nicht viel daraus geworden. Bereits in der Kita in Berlin wurde meist nur das ‚abgeliefert‘ was gefordert wurde. Stand ein Kuchenbasar an bei dem das Tatkräftige Engagement oder ein Kuchen gefordert wurde, dann gab’s einen Kuchen. Das höchste der Gefühle war dann, dass er mit Vollkornmehl und BioEiern gebacken wurde oder dass wir noch eine Kanne Kaffee beisteuerten. Selber auch in der DorfKita, hier wurde immer zu einem jährlich stattfindenden Arts&Crafts-Markt lokaler Künstler zur Mitwirkung gerufen. Am Kuchenbasar, man steht dort und verkauft oder bäckt. Wir backten immer Kuchen.

Schulkinder-Rallye, doch da haben wir uns engagiert

Einzig bei der Schulkindverabschiedung, hier dürften wir unser gestalterisches und vor allem organisatorisches Engagement unter Beweis stellen. Vielmehr und vorweg Jennifer. Es war eine Tradition die wir zu Paulines Verabschiedung von dem Jahr zuvor übernommen haben. Es geht darum, dass die zukünftigen Erstklässler sich anhand eines Aufgabenzettels, eine Laufzettels durch das Dorf bewegen und einzelne Aufgaben erfüllen. Ihre Mission war es a) unbeschadet und b) selbstständig, in der Gruppe c) alle Aufgaben zu erfüllen.

Sie starteten vor dem Kindergarten und sollten in der kommenden Stunde zum Bäcker, einen Stempel abholen, bei der Apotheke sich das Gruppengewicht auf der XXL-Waage bestätigen lassen, das Baujahr des Optikerhauses notieren, ein Eis im Cafe bestellen und dann essen und ähnliche kleinen Herausforderungen.

Die organisatorischen Aufgaben zur Vorbereitung wurden dabei federführend von Jennifer betreut. Da war das updaten der Laufzettel, die Absprache mit Bäcker, Eisladen und Co und vor allem die Rekrutierung der Eltern, die die Wege einigermaßen absicherten. Mindestens an neuralgischen Punkten wie Straßenüberquerungen.

Das Engagement der Eltern, für diese für ihre Kinder wirklich bedeutsame Aktion, war gelinde ausgedruckt beschissen. Letztlich bildeten sie vier Gruppen und ein Erwachsener begleitete je eine Gang. Das untergrieb zwar etwas den Gedanken, dass die Kinder selbstständig durchs Dorf liefen, aber die Sicherheit war anders nicht zu gewährleisten. Respekt noch einmal für Jennifer, die diese Verantwortung auf sich nahm.

Apropos arbeiten „für die Gemeinschaft“ – der Subbotnik.

Als ich noch in dem dem Tode geweihten Land, der DDR, lebte, da gab es eine Erfindung. Ihr ursprünglicher Gedanke war sicher, dass der Staat billige Arbeitskraft brauchte und etwas man man mit dem Stempel „einer für alle, alle für einen“ versehen konnte. So proklamiert die Stadtväter und -mütter die Erfindung des Arbeitseinsatzes für die Gemeinschaft.

Den Subbotnik. So verstehe ich diese Idee zumindest heute. Damals, da war das irgendwie normal, dass man sich an einem Samstag traf, die Nachbarn im Haus und die Kollegen in der Neumannstrasse um zusammen seinen Straßenzug sauber zu halten. Freilich war das eher etwas für Erwachsene, Kinderarbeit war, glaube ich, verboten. Einen schönen Samstag aber, da regnete es Katzen und Hunde, den ganzen Vormittag. Als dann langsam die Sonne raus kam und es ein wundervoller Sommertag würde, da sah man, dass die Straße komplett unter Wasser stand. So kam es, dass unsere Eltern die Gullis versuchten zu befreien und die Kinder in knietiefem Wasser umherwateten.

Eine ehrliche Erinnerung, ein sonniger Tag, viele Menschen,die einer gemeinsamen Sache dienten, die Straße und ihr Zuhause in Schuss zu bringen. Alles aus reiner Freude der Gemeinschaft, der man angehört, einen Dienst zu erweisen.
Zum eigentlichen Thema: angetrieben von meinen Erinnerungen an meine Schulzeit und das Engagement meiner Eltern, und den Subbotnik, beschloss ich, dass wir da hingehen. Nicht lange, aber da es ohnehin nur von 10 bis 12 Uhr gehen sollte, könnten wir auch die zwei Stunden durchputzen.

So dachte ich, ist es eine nette Gelegenheit mit anderen Eltern ins ungezwungene Gespräch zu kommen. Man überanstrengt sich nicht und vor allem: man tue etwas für seine Kinder. Putzen. Die Tafel mal grundputzen, die Tische und Stühle, die Regale und Schränke und die Waschbecken und den Boden.

So konnte ich noch ein Elternpaar inkl. Kind rekrutieren, die ebenfalls dachte, dass es eine gute Idee sei.

Wir stapften dann pünktlich in die Schule. Bereits auf dem Weg kam mir die Straße etwas komisch vor. Als wir dann vor dem Schuleingang standen und unser „Hallo“ widerhallend durch die Schulgänge waberte, da wusste ich, was komisch war: die ganze Elternschaft wurde von Außerirdischen weggebeamt. Nur wir und die andere Familie konnten aus irgendeinem Grund nicht von den Alienstrahlen nicht erfasst werden.

Glücklicher Weise war es bei ca 0,3 % der Elternschaft der Schule ebenso wie uns. Nicht weggebeamt.

So kamen auf jede Klasse ein Elternpaar oder weniger. Na ja, da es nun nix und niemanden zum Klönen geb, haben wir angefangen zu putzen.

Zu aller erst holten wir kurz die Informationen ein wo Eimer und Putzmittel bereit stehen (am Eingang) sowie wie wir zu warmen Wasser kommen (Klassenraum der Dritten). Dann ging es los:

Tische inkl. Tischplatten, und Füße wie Beine, ebenso die Stühle, deren Beine und Füße vom Schlamm des Matschschulhofes besser überzogen waren als ein Elefantenrücken in der afrikanischen Wüstenoase. Dann alle Flächen wie Kleiderspinde, die Bücherregale, Fensterbänke) und so weiter. Hinzu kamen Spezialaufgaben wie Waschenbeckenputzen, Beamer des Smartboards (uijuijui, war das dreckig)

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