„Und die Deutschen sollen mehr Kinder bekommen“ – latenter Rassismus

Eins vorweg: ich finde es toll wenn man mit 96 Jahre sagen kann, dass man sich nicht mehr um Politik kümmern muss. Man hat dann (also 2018) schon einen Weltkrieg mitgemacht und diverse Staatsformen inkl. die der DDR.

So vermeide ich es auch gerne dort, wo es geht sich in eine Politische Diskussion einzumischen. Mein Beitrag ist es sich zu informieren und Wählen zu gehen. Manche mögen dazu zu wenig finden. Darum geht es jedoch nicht.

Im Grunde geht es in dem Blog um Kinder und Eltern, Kino und Geschichten sowie Stadtgeschichten. Nun einen kurzen Exkurs in die Politik. drei Geschichten von latenten Rassismus bzw. Ausländerfeindlich/-feinzähligkeit.

Die Rumänen – Geschichte 1, nur unterschiedliche Kulturen

René und seine Frau wohnten einige Jahre in der Oppenheimstra0e in Eisenach. Auf die Frage warum sie nun in die Stadt gezogen sein beantworteten sie mit dem sich gewandelten Umfeld. Als sie ein paar Jahre zuvor dort eingezogen sind gab es ein paar Rumänen, die in der Nachbarschaft wohnten. In den letzten Jahren wurden diese jedoch immer mehr und lebten etwas lauter, es wurden langsam immer mehr. Und nun, wo die beiden auch dort weggezogen sind wohnen dort fast ausschliesslich Rumänen.

Das ist kein Rassismus oder Ausländerfeindlichkeit denke ich. Das ist nur, wenn Kulturen aufeinander treffen.

Die NoAfris – Geschichte 2, eine starke Aversion

„NoAfris“ ist wohl eher ein Unwort welches populär wurde als die Kölner Polizei sich über Twitter äußerte. „No“ stand da als Abkürzung für Nord und „Afris“ für Afrikaner. Damit waren in der Silvesternacht in Köln, als es sexuelle Übergriffe von afrikastämmigen Männergruppen gegeben haben soll. Soviel als Einstieg.

So hänge ich mit meinem Bruder, und den Kindern, auf dem Spielplatz. Die Uhr schlägt 17 Uhr und einige Nordafrikaner ziehen mit einem Ball in der Hand vorbei. Die jungen Männer, so um die 20 Jahre alt treffen sich wie jeden Tag um die Uhrzeit im Station und spielen Fußball. Bis vor ein paar Wochen spielten sie noch in Stregda, ein Dorf weiter, hier wurden sie jedoch von einem Mop vertrieben. Aber das sie nun im Stadion spielen, so O-Ton, „klären wir bald auch noch“. So die Aussagen zu den ca 10-15 jungen Männern die in Zweiter- oder Dreiergrüppchen an uns vorbei zogen.

Das ist, so kenne ich das von meinem Bruder, schon ein klares offenes Bekenntnis, dass Ausländer, zumindest in dem Fall junge Afrikaner nicht erwünscht sind. Ich erspare mir nun Gegenargumente oder Aussagen, wie ich dazu stehe. Nur eines: Das ist schon offener bis aktiver Rassismus.

„Und die Deutschen sollten mehr Kinder bekommen“ – Geschichte 3

Fall drei erbost mich im Grunde am meisten. Ich fahre mit meiner Mutter im Auto und zwei junge Frauen, beide vermutlich im selben Monat schwanger, laufen vor uns über den Zebrastreifen. In sommerlichen Kleider, miteinander reden und scherzen, sehen sie aus wie aus einer Ottokatalog-Werbung. Da sagt meine Mutter: Und die Deutschen sollen mehr Kinder bekommen. Ich vermute mal sie meint damit, dass die Geburtenrate der Deutschen zurück geht und das stereotypische Bild einer arabischstämmigen Familie meist mehr Kinder hat als die 1,4 Kinder pro Paar von den „klassichen Deutschen“.

Ohne Kommentar, was das nun ist. Rassismus, Ausländerfeindlichkeit oder einfach eine menschenverachtende Einstellungen.

Unsere Zeiten – rechte Partien machen 15% bei der Bundestagswahl

Screenshot des Wikipedia-Artikel zur Wartburg.

In unseren Zeiten, wo Partien mit rechter Tendenz, die auch gerne offen gegen Schwul-lesbische Partnerschaften wettern, die mit populistischen Aussagen gegen Migranten und Nicht-Deutsch, in manchen Bundesländern 8 in anderen 15% bei der Bundestagswahl bekommen, da wird mir etwas mehr Angst und Bange.

Da denke ich an Azu, eine ehemalige Kollegin, türkischstämmige, die nach Kanada ausgewandert ist, weil sie den latenten Rassismus um sie rum nicht mehr ertragen wollte. Da denke ich an helfende Hände eines Syrer, der mir im Kindergarten als Einziger beim Schleppen half. Flüchtling und seit 4 Jahren in Deutschland weil sein Heimatdorf nicht mehr existiert. Oder die Klassenkammeradin, von Felicia, die sich innerlich schon von ihrem Opa in Syrien verabschiedet hat, da jede Woche neue Nachrichten über Angriffe auf ihrer Heimatstadt kommen – also nur eine Frage der Zeit, bis die Nachricht vom Tot den Opas kommt.

Da Frage ich mich, was mein Bruder glaubt, was für eine Bedrohung von den Fußballern ausgeht. Ich frage mich was mein Bruder glaubt, warum die jungen Männer hier sind, was ihre Motivation war nach Deutschland zu kommen. Was er machen würde, wenn er in deren Situation wäre (ich kenne die Situation nicht). Würde er sich, wenn er im Ausland wäre – aus welchem Gund auch immer – auch mit Deutschen treffen, die seine Sprache sprechen, die seine Kultur kennen, und Fußball spielen. Ich frage mich was meine Mutter dazu bewegt, bei dem Anblick von Schwangeren, die dunkle Hautfarben haben, solche Aussagen zu treffen. Hat sie Angst vor zu vielen Kindern die nicht aussehen wie der klassische Deutsche. Ist sie der Meinung, dass Dunkelhäutige nicht so viele Kinder haben sollten wie klassische Deutsche?