Der höchste Punkt von Eisenach, per Sonderführung

Tag zwei des Eisenachbesuches bei Oma Waltraud. wie es sich bei einem richtigen Besuch von Enkeln bei Oma in Eisenach gehört waren wir heute auf der Wartburg. Nicht das erste Mal und nicht das Zweite. Wir waren bereits einmal vor ca 3 Jahren auf dem sehr schönen, da authentischem Weihnachtsmarkt und auch schon vor einem Jahr zu Ostern 2017.

Heute wurde es jedoch ein besonderer Besuch. Unverhofft. Unverhofft kommt oft, oder zumindest ab und an. Nachdem wir zum Parkplatz gefahren waren, Emilia wollten wir es noch nicht zumuten den Schlossberg hochzuwandern, sind wir den Weg vorbei am Burghotel vor das Tor gewandert. Hier gab es natürlich die obligatorischen Fotos. Dann sind wir rein, die Kinder sind auf alle Steine auf denen es erlaubt wart rumzuklettern umhergesprungen und eben auch noch auf denen es nicht erlaubt war. Opa Gerd schritt schon vom einen Burghof in den nächsten. Als wir gerade gen Westen an der Mauer standen, kam Oma auf mich auf und die Mädels zu und fragte, ob wir eine Sonderführung machen wollten, Opa Gerd kennt da jemanden. Dieser Jemand heisst Michael und ist eine Art Hausmeister mit einem Abschluss in Kunstgeschichte. Zudem auch Herr über alle Schlüssel der Wartburg, alle.

Blick vom höchsten Punkt von Eisenach auf den ersten Burghof im Norden der Burg.

Blick auf den nördlichen Burghof.

Wir sind dann rüber zu Michael und Ich fragte was er so anzubieten habe, und ob es auch kinderkompatibel sei und deutete dabei auf meine drei Halblinge… „na passt mal auf, ich habe da was“. Ok, wir sind dann mit ihm in den Haupteingang des Palais rein, vorbei an dem jungen Mann der gerade mit zarter Stimme die Besucher mit Eintrittskarten zu sich ran rief. von dem Eingangsbereich, den wir schon von einer offiziellen Führung kannten, ging eine kleine und unscheinbare Tür ab. Dise führte in einen engen Gang, der eineinhalb Meter hinter der Tür zu einer sehr engen Wendeltreppe wurde. Sehen konnten wir alle nur wenig, da es dort dunkel war und wir noch von der Aprilsonne verengte Pupillen hatten. Nachdem wir dann die gefühlte achte Etage der Treppe hinter uns gebracht haben, könnten wir schön erahnen, wo die Reise hingeht. Da hörten wir schon von oben ein eigenartiges Fauchen, welches ich den Kindern vor neben mir und auf meinem Arm als Drachenfauchen verkaufen konnte. Und da sahen wir schon Licht. Mehr Licht als durch die sehr kleinen Fenster des Wendeltreppenganges schien. Wir betraten einen Turm. Michael war nicht nur der Herr aller Schlüssel, sondern auch ein trefflicher Führer mit genug Schalk im Schabernacken.

Da oben, der höchste Punkt von Eisenach, da waren wir, dank Michael, dem Hausmeister mkt Kunstgesichtsstudium und einem dicken Schlüsselbund für alle Türen, alle.

So standen wir auf dem höchsten Punkt von Eisenach, höher geht es nicht, wenn man festen Grund unter den Füßen haben will. Und einen besseren Blick bekommt man auch nicht woanders. Hier oben kann man die Wartburg noch einmal anders sehen, als wenn man „nur“ auf dem Turm im Süd-Westen der Burg steht. Gefühlt waren wir noch einmal 10 Meter weiter oben. Faktisch auch. Besonders war auch, dass man den ersten Burghof einmal von Oben sehen kann. Von dem „normalen“ Turm schaut man auf den Burghof mit Zwinger und Kräutergarten im Westen der Burg. Von dem großen Turm, auf dem auch die Deutschlandflagge und das goldene Kreuz steht, kann man zum einen den großen Burghof sehen und eben auch den ersten Hof mit Drachenbrunnen, Taubenschlag und Eingang. Hier konnen wir einmal rundherum schauen und einfach nur staunen.

Die Kinder, die den „normalen“ Westturm bereits zwei drei Mal bestiegen haben, waren spätestens dann begeistert als Oma erzählte wie selten es passiert, dass man hier oben steht. Sie hätte vor ca 55 Jahren einmal die Chance gehabt mit der Schulklasse dort oben den beeindruckenden Blick zu genießen. der Plan der damaligen Klassenlehrerin wurde jedoch durch Blitzeis durchkreuzt.

Der Wächterdrache, der beste Freund vom Ritter Paschold.

Nachdem wir ausgiebig geschaut und Fotos gemacht haben sind wir wieder runter. Zum Drachen, der in der Nacht von Stein zu einem echten Drachen wird, der seine Schwingen ausbreitet, seine leuchtenden Augen öffnet und durch die Burg fliegt. Zum einen um die Burg zu schützen, da sich selbst die Nachtwächter nicht aus ihrem Verschlang am Eingang trauen und zum anderen um sich mit seinem liebgewonnenen ehemalige Erzfeind, dem Ritter zu treffen. Die zwei, so berichtete Michael, sind nun nach Jahrhunderten von Feindschaft und Krieg gegeneinander zu Brüdern im Geiste geworden. Beide ziehen nachts auf dem UNESCO Weltkulturerbe ihre Runden und schauen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Oder vielmehr: Nichts passiert. Der Drache kann aber auch noch etwas besonderes, er kann erkennen ob schon einmal einer gelogen hat. Dass heißt, dass wenn man seine Hand in sein Maul legt, dass er bei Menschen, die reinen Gewissens sind, die noch nie gelogen haben, er brav sein Maul offen lässt. Dass er jedoch bei Menschen, insbesondere Kindern, die bereits Unwahrheit gesagt haben, einmal ordentlich zubeißen. Naja, Keiner hat es versuchen wollen, auch nicht die zwei, die nicht mehr an den Weihnachtsmann und Osterhasen glauben.

Vom Drachen ging es weiter in den Sängersaal. Auch hier dürfen normale Führungen nicht hin. So standen wir in dem Raum in dem einst Fürsten auf ihren Podesten saßen und mit den Rittern tranken und feierten. In dem Saal soll auch der damalige Grand Prix Eurovision de la Chanson, also der Sängerkrieg stattgefunden haben.

Sängersaal der Wartburg.

Dann war unsere Sonderführung auch schon fast beendet. Fast, den Felicia bemerkte kleinlaut, dass sie nun noch den Tintenklecks sehen wolle, der der entstand als Luther den Teufel zu sehen glaubte, ein Tintenfaß nach der Erscheinung warf und so ein Positiv des Teufels Umriss an der Wand entstand. Das hörte Michael, der vermutlich so manches hörte, was irgendwo auf der Wartburg geschah und das niemand sonst hören könnte. Und so sagte er “ kommt mit, das ist gleich hier drüben“. So folgten wir ihm durch weitere unscheinbare Türen, die eher an eine Zauberlabyrinth erinnerten als dass sie nur einfache Türen einer Burg sein konnten. Und standen sogleich vor der Lutherstube wo Michael die Tintenfaß-Geschichte zum Besten gab. Was Luther er damals sah wusste auch er nicht, und mutmaßte Teufel, Erscheinung, Wahnvorstellung. Ich tippe ja aufgrund Luthers Rumhurerei und dem entsprechenden Alkoholkonsum um seine juckende Siphilisschmerzen zu betäuben auf eine Wahnvorstellung.

Danke Michael. Nachdem wir nun diverse kleine Geheimgänge beschritten haben und duch Magische Türen gingen, entließ er uns in einem kleinen Sturm von Touristen der „normalen“ Führungen. Vielen Dank. Ich denke den alteingesessenen Eisenachern Oma Waltraud und Opa Gerd sowie den Kindern war es ein spannendes Vergnügen.