Eine kleine Reise an unentdeckte Orte – Hamburg Süd-Ost Entenwerder

Nachdem ich zwei Tage lang mein Treffen mit Anja, aus Leipzig zu Besuch in Hamburg zum Dockville Festival, plante, stellten wir fest, dass ich eine Woche zu früh am Treffpunkt am Hauptbahnhof war. Da man sich mit 4 Töchtern die Freizeit freischaufeln muss, beschloss ich kurzerhand die gewonnene Freizeit für eine kleine Radtour zu nutzen.

Da ich mich innerhalb von zwei Sekunden, als ich mit Anja am Hauptbahnhof in der S-Bahn telefonierte, wir das Missverständnis feststellten, entscheiden musste, was ich nun für die nächsten vier Stunden unternehmen wollte, ließ ich mich einfach noch etwas Treiben und stieg eine Station weiter Hamburg Hammerbrook aus. Hier drehte ich in der Gegend ein paar Runden und erinnerte mich an ein paar Häuser, an denen ich vor einigen Jahren im Rahmen des Kurzfilmfestivals „On the Wall“, ein paar Kurzfilme, mit einem riesen Projektor an Häuserwände projiziert, sah.

Nächstes (letztlich nur erklärtes) Ziel Elbbrücken

Einen wirklich schönen Ausblick hat man, wenn man von Hamburg nach Berlin fährt oder andersrum, kurz hinter den bzw vor dem Hamburger Hauptbahnhof. Hier erstrecken sich über ca 150m die Elbbrücken über die Elbe. Die riesigen Stahlkonstruktionen hintereinander bzw parallele aufgereiht und dahinter ein Teil des Hamburger Hafens und die Elbphilharmonie – auf jeden Fall ein Blick wert.

Ebenso, wie ich einmal auf dem Nord-Ostsee-Kanal stehen und den Ausblick genieße möchte, so möchte ich auch einmal auf einer der Elbbrücken stehen und ein paar Fotos schießen.

Und das war mein erklärtes Ziel und so fuhr ich einfach mal blindlings Richtung Süden. Bei den Elbbrücken kam ich nicht an. Jedoch entdeckte ich das Café Gasolin, welches gleichzeitig eine KFZ-Werkstatt für Oldtimer war. Ich erinnere mich, dass ich vor Jahren hier schon einmal vorbei gefahren bin. Auch wenn der Standpunkt der ehemaligen Tankstelle ein doppelter Boden ist, eine Straße, die man im Grunde genommen nie fährt.

Entenwerders HipsterCafé

Go with the flow. Als ich ein paar hundert Meter weiter fuhr, begegnete ich einer Vielzahl von Fahrradfahrern. Ein bunt gemischter Fluss an Menschen: etliche hippe Rennradfahrer und -innen, gemischt mit Pärchen, auch kleine Grüppchen und klassiche Einzelfahrer, mit älteren Semestern auf einer Wochenendradtour mit Gepäckträgertaschen. Zudem einige junge Leute, die vermutlich in Hamburg oder ähnlich studieren, mit ihren Eltern, denen sie ihre neue Hood zeigen wollen. So dachte ich mir wo die alle hinfahren, da muss doch was Tolles sein, zumindest etwas. So fuhr ich an der Elbe entlang, vorbei an jungen, schwarzen Männern die in Cannabis-Rauchwolken gestanden und ein Büschen entlang, aus denen leichte Goa- Musik dröhnte.

Der Weg führte mich zu einem Ponton, der mit einem winzigen Schild einlud, sein Fahrrad nicht mitzunehmen und ein Stück Kuchen zu kaufen. Ich schloss mein Fahrrad an und betrat eine kleine andere Welt. Hier traf ich auf die Hipster, die ich zuvor auf Fahrrädern sah, und einigen Middreißiger, die Vorgaben etwas betuchter zu sein.

Es handelte sich um ein nettes Café auf einem Ponton, welches es etwa 4 Jahre gab. Ich erinnere mich, dass ich vor längerer Zeit schon einmal hier lang gefahren bin und das einzige was man an diesem Punkt fand, war ein kleiner Bootsanleger Steg.

Begeistert von der Atmosphäre auf einem überdimensionalen. Thong, mit Reling und an der Reling entlang Stuhlreihen mit Leuten die den Ausblick und die Sonne genossen haben, lief ich einmal komplett drumrum am Anfang und am Ende gab es kleine Hütten in der einen eine Bar und in der anderen eine Kuchen Kaffeetheke und anscheinend eine kleine Küche. Die Reling Richtung Wasser war gesäumt mit baumelnden Beinen von auf Stühlen sitzenden Kaffee und Kuchen Gästen. In der Mitte des Pontons Star 1 Gold anmutender rechteckiger Bau hervor. Im Inneren fanden sich auf zweieinhalb Etagen tische Stühle und Bänke so dass man dieses Kaffee auch bei schlechtem Wetter besuchen kann. Einem Gespräch, welches ich belauschte, entnahm ich dass es wohl auch eine optimale Party Location für Hochzeiten oder Geburtstage wäre. Der Ausblick war herrlich, man schaut auf einen breiten Arm der Elbe und rechts und links etwas Hafen Industrie.

Nachdem ich den.com einmal abgelaufen bin, widmete ich meinem Bananenkuchen und einen Kaffee für je 2,80 €. Lecker. Dazu einen netten Ausblick auf die Elbe, oder mindestens einen Seitenarm dieser.

Ich lauschte diversen Gesprächen über Radtouren in der Sächsischen Schweiz, weiteren Ausflugszielen in im Hamburger Süden oder der Wunsch Planung eines jungen Paares, hier einmal eine Party zu feiern.

So ließ ich mich treiben, genoss die Sonne, aschkuchen, trank Kaffee und sprach den ersten Teil dieses Blog Artikels flüsternd in mein Handy ein. Da ist anfing zu tröpfeln, machte ich mich auf den Weg, mich weiter treiben zu lassen.

Ein Telefonat als Ausflugshighlight

Just, als ich mein Fahrrad abgeschlossen habe, es immer noch etwas tropfte, rief Claudia an. Trotz des starken Windes, der plötzlich mit dem Regen auftauchte, telefonieren wir fast eine Stunde im Schatten großer Bäume. Da wir, trotz großer Distanz, die wir seit über 20 Jahren zwischen uns haben, noch gute Freunde sind, ist ein Telefonat immer ein Highlight. Es ist etwas Besonderes, da wir uns Distanz bedingt sehr selten sehen und auch selten mehr als ein Telefonat im Jahr führen, welches über eine Stunde geht. So drehte sich unser Gespräch nicht nur über Urlaub in Stralsund oder Dänemark, sondern auch über die Erziehung unserer Kinder, Beziehungen und Freundschaften, die so manche Distanz standhalten. Ebenso streiften wir Themen wie Liebe, Leben, Umzüge und diverse Lebensentwürfe.

Moorfleeter Deich

Nach einer Stunde kam die Sonne wieder raus, ich bin trocken geblieben und meine telefonier Kraft neigt sich langsam dem Ende zu. So beendeten wir unser Telefonat und ich fuhr weiter Richtung Süden, ich fuhr und fuhr und fuhr, ohne dass ich ein konkretes Ziel hatte außer auch ein paar Kilometer gutzumachen, ohne in Achten die Gegend zu entdecken.

So fuhr ich an einem Deich entlang, einen komischen Becken, siehe Bild, um letztlich festzustellen dass es vermutlich kein Weg von meinem Naruto Richtung Westen über die Elbe gab, auf die Erich wieder in die Stadt fahren könnte. So schalte dich das Navi ein und orientierte mich wieder Richtung Rothenburgsort. Da ich Anja ein Festival Regencape, welches ich auf dem MOPO Staffellauf geschenkt bekommen habe, als Gastgeschenk mitbringen wollte wurde ich nicht übermäßig nass als plötzlich ein Regenschauer überm mich zog.

Moorfleeter Kirche Kinder gefragt wo es lang geht, dann entschieden nicht an der Hauptroute, laut Navi, zu fahren sondern am an einem Deich moorfleeter Deich. Regen und direkte Strecke, da schon 19.30 und 20 Uhr treffen mit Marcel in der Schanze beim Vietnamesischen Restaurant Ume no hana. Lecker Essen siehe Bilder. Da Marcel Parkzeit Uhr abgelaufen war und es für seine Verhältnisse Zeit war ins Bett zu gehen, verabschiedeten wir uns 22 Uhr dreißig Uhr. Da ich nun noch nicht so müde war, ein gewisses Level an Elektrizität in mir verspürte, meldete ich mich bei Lars der über dem Restaurant wohnt. Kurz entschlossen kam er runter und wir tranken noch einen Tee im nahegelegenen italienischen restaurant, welches Lars gut kannte und deren Kellner Lars gut kannten. Zumindest nannten sie sich beim Namen und sprachen über die in letzter Zeit öfter auftretenden Bauchschmerzen. Wir unterhielten uns, wie meistens, über das Leben, Lebensentwürfe, Heimat, Umzüge, aber auch Familie Freunde Liebschaften und was aus Liebschaften werden kann. Lars, der ein Großteil seiner 20er Jahre auf Partys und in Clubs verbrachte, die erst um 3 Uhr morgens aufmachen und selten vor 15 Uhr schlossen, wurde müde und so beschlossen wir uns um 23:30 Uhr zu verabschieden.

So endete mein Tag mit einer Bahnfahrt von der Schanze nach Hause und ich lag 0:30 Uhr im Bett.

Freizeit, neben Gesundheit, eines der höchsten Gute

Thema vier Töchter: wenn man Student ist, zumindest nicht gerade der Medizin, dann hat man viel Zeit. Insbesondere mein Studium erforderte wenig Lernen zu Hause und so war die Hauptaufgabe, dass man anwesend war und verstand. Ergo hatte ich viel Zeit, am Tag, am Nachmittag und in der Nacht, mein Leben zu genießen und meinem ausgeprägten Explorationsdrang zu befriedigen. Mit zunehmender Kinderzahl wird es sehr knapp mit der individuellen Freizeit und der Freizeit als Paar. Da das jedoch für ein Wohlbefinden sehr wichtig ist, bin ich fest davon überzeugt, dass eine Familie nur funktioniert, wenn sich alle genügend Freizeit gönnen. Im oben beschriebenen Fall wurde dann aus Freizeit, die ich mit einem Treffen mit einer guten Freundin füllen wollte zu einer individuellen Freizeit für mich. Ich liebe diese Ausflüge, die keinen Sinn dienen, außer mir und meinem Geist freien Lauf zu lassen.

Ich bin davon überzeugt, dass sich die meisten Probleme in einem Leben lösen lassen, wenn man sich irgendwo hinsetzt und langweilt. Das Unterbewusstsein fängt dann, nach einer gewissen Zeit des Treibenlassens an zu arbeiten, ohne das man mit irgendwelchen kniffligen Fragen behelligt wird. Irgendwann, wenn man seinem Unterbewusstsein genügend Zeit zum Nachdenken gegeben hat, dann dringt eine Lösung, eine Antwort nach oben ins Bewusstsein vor und die Arbeit ist getan.

Wenn man nun drei Stunden Zeit hat, ein Fahrrad unterm Hintern und vor sich noch teilweise unentdecktes Land, ist das eine optimale Voraussetzung qualitativ hochwertige Freizeit zu verbringen und sich als Individuum etwas Gutes zu tun. Man ist frei in seiner Entscheidung frei in seinem Geist und kann sich frei bewegen. Das nenne ich individuelle Freizeit.