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Tag 5. Ein Besuch des Hafendorfes Hou

Heute ist ein Entspannungstag, mit etwas Aktivität. Auf unserer Autofahrt von Odder nach Dyngby Strand, sind wir an diversen Plakaten vorbeigekommen, die das Hafenfest in Hou ankündigen. Das Fest startet Morgen am 12. und geht bis zum 14. Juli.Heute, einen Tag davor, ist also der beste Tag, sich einen Überblick

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Ellerholzhöft/ Südelbe

Wenn mein Kollega mich foppen will und mit kleinen Stichelein versucht mir zu sagen wie wie toll Hamburg im Gegensatz zu Berlin ist, dann… dann schaue ich ihn müde an, gähne ausgelassen und frage in den Raum hinein: „was ist dieses Hamburg eigentlich, von dem du da fasselst?“.
Nichts desto trotz kann man bei Hamburg nen Strich auf der Habenseite machen was den Hamburger Hafen angeht. Den Hamburger Hafen gibts in Berlin nicht. Nur nen Hamburger Bahnhof. Und nen Urbanhafen, und nen Humboldhafen und einen Westhafen Weiterlesen

Hamburg entdecken, heute: eine Hafenrundfahrt

Das letzte Wochenende hatten wir Besuche von den Alberts. Wenn es um Heimat geht geht es auch meiste – und meines Erachtens zu einem sehr grossen Teil – um Freunde. Die Alberts haben wir seit der Geburt von Nase #1 – seit 3,5Jahre – etwa jedes zweite Wochenende gesehen. So ist es nicht wirklich übertrieben, wenn man sagt sie konnten bei ihrem Besuch eine Portion heimatliche Gefühle mitbringen. Danke noch einmal und wir haben uns wirklich sehr wohl gefühlt.

Soviel dazu. Nun zu dem Teil von Hamburg, der für die Stadt einen wirklich wichtigen Imagefaktor, wenn nicht die prägendste Eigenschaft von Hamburg, darstellt – dem Hafen.

Barkasse

Gerne möchte ich an dieser Stelle auf einen zw. bald und irgendwann kommenden Post hinweisen, Thema: Imagefaktoren im Stadtmarketing.

Zum Anlass des Besuches der Alberts, insbesondere dem somit ersten Hamburgbesuch seiner Mutter (Meister Arne war natürlich als Mitglied der Kreativen Masse und als Musiker bereits mit einigen Bands wie Julia Hummer oder Brokof in der Stadt), haben wir eine Landungsbrücken-Hafenrundfahrtstour gemacht. Folgend nun etwas dazu, im Detail etwas zur Barkassenfahrt.

Wir starteten mit dem ausgemachten Ziel mit der Firma Ehlers eine kleine einstündige Rundfahrt durch die Speicherstadt und den Hamburger Hafen zu machen. Der Alternativvorschlag von Jenny war eine eher weniger kostenintensive Fahrt mit der Fähre von den Landungsbrücken ein paar Stationen die Elbe Richtung Nordsee und zurück. Das wäre dann neben preiswerter (man kann eine solche Fahrt mit dem normalen HVV-Ticket machen) jedoch etwas kürzer, kälter und ohne Geschichtenerzähler ausgefallen.

Nun ja, nachdem wir mit der M4 durch den kleinen Hamburger Prenz’l gefahren sind, ohne schon St. Pauli auszusteigen – da sich, anders als in Berlin, die Fussballfans eher auf ein paar wenige Strassenzüge konzentriert verteilen und an der U-Bahn-Station das Stadion ist – kamen wir bei strahlendem Sonnenschein an den Landungsbrücken an. Durch einen zielführenen Navigator, mich, steuerten wir mit einem angenehmen Spazierstechschritt die kl. Buchte der Familie aka Filma Ehlers an. Die findet man von den Landungsbrücken kommend und Richtung Speicherstadt gehend noch hinter der Cap Santiago. Die haben sich noch den gewissen Charm eines Familienbetriebes bewahrt. Ihr Barkassen heissen z.B. alle Birgit Ehlers, Susi Ehlers, Uschi, Bärbel, Günther, Hartmuth usw usf.
14.45 Uhr sollte uns dann unsere Hafenrundfahrt, für 15 Euro pro Nase, eine Stunde durch die Speicherstadt, den Alten Hafen und eben ein paar Arme der Elbe unterhalb der Elbe schippern.

Kennt man aus der ARD oder war es ZDF, die Watterkant Hafenpolizei – die Polizeistation an der Kehrwiederspitze (wo Damen und Mädels ihren Liebsten Ahoi sagten)

Wir erwischten leider, aber nicht tragischer Weise, eine der etwas grösseren Stadtbusse fürs Hamburger Wasser. Die kleinen fetzen etwas mehr, da sie den Wellen – die so manch anderes Schiff verursachte – etwas heftiger ausgeliefert sind. Spannender. Hier auch kommt schon der erste Spruch des „Kapitäns“, das er ja zwei Schwimmwesten hat, eine für ihn und eine andere wird verlost. Na toll, das wird ne Fahrt. Der zweite Spruch ist dann, jedes dritte Schiff sinkt…aber keine Sorgen wir sind schon das neunte. So nimmt man Platz an Tischen und Stühlen die einer besseren Biergarnitur ähneln. Sobald man sich ein Plätzchen am Fenster gesichert hat gehts zum Kühlschrank. Mit einer kleinen, ausreichend lauten, Beteuerung, dass man sonst n ie vor vier ein Bier tränke greift man zu einem mittelkühlen Flenz. Nimmt den Fünfzig-Euro-Schein aus der Selbstbedienungs-Geld-Dose und gibt dafür etwas Kleingeld rein, sodass es nicht auffällt.

Als dann soll es auch schon losgehen. Ab in die Speicherstadt. Die, erstrecht vom Wasser aus gesehen, mächtigen Backsteinbauten – die Speicher. Mächtig sind sie in vielen Hinsichten. Zum einen sind sie mit ca 6 hohen Geschossen plus dem was zw Wasserspiegel und erster Etage ist recht hoch. Dazu kommt die typische Backsteinfarbe die die Speicher als riesige Ziegel anmuten lässt. Die Bauart, mit meterdicken Wänden, ist auch leicht zu erkennen und tut sein Übriges die Gebäude als einzige Masse wahrzunehmen. Nun ja und eben der Fakt, dass man am Fusse der Gebäude langschippert, sprich noch unter Erdlevel macht den Kohl dann letztlich fett.

Speicher’stadt‘ heisst das Gebiet, weil es einige Speichergebäude sind und auch weil es bis vor nicht allzulanger Zeit auch ein Gebiet mit eigenen Regeln war. Gut – es gibt schon weniger was sich Stadt schimpft, und was sind schon eigene Regeln, das hat ein 130qm-grosser Club auch, aber die Speicherstadt war Hafenbedingt eine Freihandelszone. Mit eigenen Grenzen, einem Zaun und Grenzkontrollen. Innerdeutsche Grenzkontrollen. So war es nun möglich die Schiffe zu be-, ent- und umzuladen…zu „löschen“ ohne dass man blos weil runter vom Schiff und kurz mal eingelagert bedeutet das Land – unter dessen Flagge das Schiff fährt – zu verlassen. Diese grenzen sind dann eben 89… Nein, aber in den letzten Jahren gefallen. Die Leute sind mit bengalischen Fackeln auf den Mauern gelaufen, haben sich in den Armen gelegen und haben gefeiert. Müsst ihr mal Mauerfall Bildersuche googlen.

Nun ja…weitere Details zur Speicherstadt erspare ich mir hier…wir sind nämlich nicht reingefahren. Wir haben uns zwar auf den Weg gemacht, da aber die Ebbe und die Flut auf der Hamburger Elbe einen Wasserspiegelhöhenunterschied von bis zu 4 Metern verursachen und wir gerade bei totaler Flug losfuhren waren gleich die zweite Brücke zu niedrig, bzw die Barkasse zu hoch um weiterzufahren ohne das wir den Kapitän verloren hätten. Und er war schon lustig. Und die meisten von uns wüssten nicht wie wir an Land kommen würden wenn die Kapitänsbuchte samt Insasse vom Boot gesäbelt würde.

Egal. ne Stunde bekommt man auch ohne Speicherstadt rum. So sind wir wieder raus, auf die Elbe mit dem Versuch sie zu überqueren. Soviel vorweg: haben wir auch geschafft. Direkt am westlichen Ende der alten Speicherstadt, bzw neuen HafenCity (HafenCity ist das durch die Grenzöffnung wiedergewonnenes und unbebautes Land, quasi zw Speicher und Hauptarm der Elbe, welches im Zuge einer Innenstadterweiterung, wie es Herr von Aybüttel und seine Kumpanei nennen, wieder erschlossen wurde) findet man das Milliardendenkmal für Fehlkalkulation: die Elbphilharmonie. Ansich nicht schlecht.

Nun ja, die neue Philharmonie wird dann quasi umschifft und ab gehts in die südlich der Elbe unterhalb der Hafencity gelegenen Kanäle. Dort geht’s dann los mit der Hommage des Kapteins an die alte Zeiten, bevor die Waren in Container gesteckt wurden, als Schiffe noch richtig gelöscht wurden. Was damals drei Wochen dauerte und von unzähligen Trägern erledigt wurde, dass löschen der Waren über Planken und Stege, wird heute für das 100.000fache der Handelsgüter von 10 % der damaligen Hände erledigt. Da nun fast Alles in Containern verschifft wird, ist das abladen nun von riesigen Kränen auf fetten Rädern im Handumdrehen zu bewerkstelligen. Da sind die vollautomatischen Roboter von Moon 44 nen Scheissdreck dagegen. Nun ja, wir fahren also vorbei an alten Minihäfen wo früher Barkassen repariert wurden, an Rohrsystemen an denen das Shell-Logo prankt und an Graffiti der ekeligen, da mit Stadtgeldern finanzierten, Art. Dann gehts durch die erste Schleuse die dazu da ist die Insassen der Passagierschiffchen zum Staunen zu bringen wie der kleine Kapitän, der – so denken die meisten bis dahin – seine Schiffspatent in einer der Seemannskneipen erkampfsoffen hat, das breite Schiff in die vermeintlich weniger breite Schleuseneinfahr manövriert. Die Schleusen sind an diesen Stellen jedoch nicht ausschliesslich für die Rehabilitierung des Kapteins da, sondern vielmehr gegen die Schlammmassen die die Elbe jedes Jahr mitbringt und – wären die Schleusen nicht da – das Hafenbecken zu schwämmen würden. So würde sich, durch das von Dresden und Magdeburg mitgebrachte, poe á poe der Grundspiegel unterwasser haben und irgendwann könnten die Schiffe mit tiefem Tiefgang zuerst und später alle Schiffe andauernd auf grund aufsetzen. Da würden auch die Bagger, die den Grund fortwährend abtragen, nicht mehr gegen anstinken können.

Hat man die Schleuse passiert fährt man an ein paar Trockendocks vorbei. Riesige hohle Wannen. Die Wände der Wannen werden gewannt…nein geflutet. Dann sinken die ab, das reparaturwürdige Schiff fährt rein, das Wasser aus den Wannenwänden wird abgewannt…nein abgepumpt und alles hebt sich bis der Kahn im Trockenen steht. Angemalt, neu verschweisst und so weiter werden kann.
Die meisten der dort zu sehenden Schiffe sehen jedoch so aus als ob man sie nur auseinandernehme und dem natürlichen Schiffsteilekreislauf zuführen sollte. Nur das Militärschiff, welches hinter dem Riesigen Vorhang vorm Dock durchschien sag top aus. Oder es war schon fertig und man ist froh nicht gesehen zu haben wie es vorher aussah.

Wieder einmal was Wissenswertes: die dicke Nase mancher Schiffe spart ungemein Treibstoff. Sie ermöglichen, dass das Wasser irgendwie schneller und leichter um das Schiff fliessen kann. Ich stelle mir da ne Warpblase vor, zerteilt den Raum aka das Wasser und das fliegt aka schwimmt zwischen dem H2O durch. Egal.

Jedenfalls fährt man anschliessend in ein weitaus breiteres Becken an denen an manchen Tagen Schiffe ankern und gelöscht werden die Dimensionen von flachgelegten Skyscrapern haben. 300 Meter und mehr lang, 10.000 ( in Worten Zehntausend) Container an Bord die mit Hilfe der Kräne aus die fahrenden Containerlifts gebracht werden, die diese dann wierderum auf andere Schiffe oder auf die Trucks bringen (oder auch irgendwie zwischenlagern). Da fährt der Kapitän dann auch gerne mal unter einem Bug drunter durch, auf den Mammutanker hinweisend der, wenn spontan ausgeklingt, ohne weiteres Schiffe versenken könne. In dem aktuellen Fall dann eben unser.
Hat man sich satt gesehen gehts auch schon wieder auf die stürmige Elbe hinaus. Dann ist man etwa auf Höhe Fischmarkt. An dieser Stelle kommt wieder eine kl. Hommage an die Zeiten als Fischmarkt noch Fisch bedeutete und nicht Brunch mit Bier und Gesang aka Gegröhle. Nichts gegen Fischmarkt. Ich werde es vermutlich nie schaffen dort einmal hinzukommen.

Da man dann auch schon den dem Bloom und Voss Dock vorbeicruised wird einiges über die ehemals grösste Rederei…Moment, Schiffswerft erzählt, dass das Blumen und Fuchs heisst, dass die nun von einer ausländischen Firma gekauft wurde und dass da heute ne Spezialisierung auf (ich glaube Luxusliner und Grossyachten) stattgefunden hat. Final steuert man direkt auf die Cap Santiago zu, eines der fünf seiner Art, die auch einmal im Jahr zum Hafengeburtstag ihre historischen Maschinen anwerfen darf. Dann vorbei an der Rickmer Rickmers, ehemaliges Flagg- und dann Schulschiff einer berühmten Bremer Familie. Schon ist ne Stunde rum, schon hat man seinen ersten Sonnenbrand auf der Nase ist um einige Anekdoten reicher und hat festgestellt das son Boot wie nen Spielball auf dem Wasser sein kann. der Kapitän dankt und empfiehlt sich. Die einen sind um ein prägendes Stadtreiseerlebnis reicher und die Männer motiviert auch nen Bootsführerschein zu machen. In diesem Sinne: Ahoi.