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Hamburg entdecken, heute: Blankenase

So das letzte Wochenende verschlug es uns nun nach Blankenese. Meines Erachtens der Hamburger Stadtteil mit dem stärksten Image…was weiss man nun von Blankenese, als gemeiner Berliner oder NichtHamburger?

Ich dachte, vor meinem ersten Besuch 2006, an ein Viertel mit den meisten Pfeffersäcken, das Florida von Hamburg, alte Leute mit Geld und nix mehr vor und ein Haus geerbt oder käuflich erworben haben. 
So is es und auch nicht. Auf jeden Fall ist es sehenswert und auch schön.

Steigt man in Blankenese aus der S-Bahn wird man erst einmal von neu angelegten Bushaltestellen und glatten neunen Stadtmöbeln empfangen, aus klassisch aus dem Boden gestampften glatten Gebäuden begrüsst einen der Bäcker, eine Buchhandlungen und Rewe/Penny. Schaut und läuft man über diesen Platz, in dessen Mitte ein Starbugs steht, sieht man schon ältere Gebäude die zwar noch unschöner aussehen – ähnlich wie die noch nie modern gewesenen Modernen Gebäude in Hannover (die Hannoveraner haben nach dem Krieg alte Gebäude manuell weggebombt – was in anderen Städten durch Krieg zerstört wurde sollte hier nachträglich geschehen um ‚auch‘ Platz für Modernes zu haben…nennt man das eigentlich auch friendly fire oder nur Dummheit) – die aber wenn es Richtung weg vom Bahnhof und hin zur Elbe so weitergeht, mit den Erbauungsjahren in die Vergangeheit zurück, gutes verheissen. Toller Satz (o:

Blankeneser Bahnhofstrasse Markt

Blankeneser Bahnhofstrasse Markt

Geht man dann die Hauptstrasse runter Richtung Süd und somit Elbe kommt man auf einen kleinen Platz, der an diesem Sonntag, wie sicher auch an den andern, einen kleinen süssen Markt bot. Frischer Fisch, diverse Ausführungen – klein, gross, sehr gross, bunt, rot, blau, mit Flossen, mit Armen, mit vielen Armen – also auch Exporte aus Japan, am Stück, in Scheiben, in Sosse, in Anbetracht der Frische auch olfaktorisch gut wahrnehmbar. Ebenso wie der Käsestand. Der Gemüsestand verbreitete dazu ein kleines Kontrastprogramm durch Blumen. Zwischen Genuss- und Nahrungsmittel fand man auch Kerzenstände – Kerzen sind immer gut, wie H. Schmidt einmal sagte: Kerzen sind gut für die Liebe… besonders wenn der Mann nicht zuhause ist. Einen Stand mit Töpferwaren aus eigener Herstellung die ein greiser Mann feil bot dürfte auch nicht fehlen. Kurzum ein netter kleiner Sonntagsmarkt.

Hamburg Blankenese Elbchausee

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Auffällig an dieser Stelle waren hier nun schon einmal die Leute, das Publikum. Eltern mit ergrautem Haar findet man auch im Prenz’lberg, ebenso wie in Altona und Eimsbüttel, hier sind sie aber doch eher auffällig grauer. Is natürlich subjektiv, wer von jungen Eltern geht am Sonntag auf den Markt, dazu in Blankenese!? Nun ja ein weiteres Merkmal der Masse die da so rumlief waren die Steppjacken. Gut die findet man auch in Hellersdorf und Mümmelsmannberg, aber eben nicht in Union mit Echtlederschuhen, gesylten Haaren (immernoch modern: der Gutenberg-wet-look fürs Haar…obbwohl im Rahmen seiner Widerkehr trägt er ja wieder luftig) und mindestens einem Accessoire was nach Geld stinkt. Noch bemerkenswert sind die Alten. Die haben zwar auch Steppjacken in hellbraun/beige aber die Hautoberfläche und Farbe schreit: Sonne. Sie ist meist sehr reptilienartig und immer braun gebrannt. Im Unterschied zu den Jungs und Mädels in Pankow ist der Farbton aber nicht so wie in Flammen angebranntes Fleisch, sondern eher von echter Sonne. Dazu passen natürlich dezent mal sieben acht goldene Ringe für die Dame und eine goldene Sonnenbrille für den älteren Herren. Das lenkt auch gut von den bearbeiteten Haaren ab.

Nun ja die Leute sind aber nicht unbedingt das Viertel, der Kiez (wenn man hier von Kiez als Abgrenzung einer bestimmten Stadtfläche zur nächsten sprechen möchte).

 Weiter also Richtung Süd. Vorbei an gemischten Läden – weitere Bäcker div. Ketten, ein Budnikowski, auch ein kl. Supermarkt mit Motz- aka Kinz&Kunz-Verkäufer und Optiker. Dann kommen Läden die schon eher nach Blankenese aussehen, Läden mit Waren wie Kleidern, Uhren&Schmuck, Wohnausstattungsgegenständen und Handarbeitsläden, gern auch mal ein schöner Golden Retriver vor der Tür und natürlich ein zwei Immobiliengeschäfte. In diesen Ecken sind die Strassen, wenn auch eng, doch befahrbar.

Hamburg Blankenese Heimathafenhamburg 2012

Hamburg Blankenese Brechwoldtstraße

Ca 700 Meter vom Bahnhof ändert sich das und das eigentlich schöne Blankenese beginnt. Dort werden die Strassen zu Wegen und Treppen. 

Hier nun etwas Geschichte von Blankenese. Die Elbe ist auch an dieser Stelle nur mit Mühe zu durchschwimmen. Für ungeübte auch zu durchfahren. Dazu gab und gibt es Fährmänner und -frauen. Dort wo eine Sandbank in die Elbe ragte, zumindest bis zu irgendeiner grösseren Flut, die immer schön von Ebbe und täglicher Flut glattgerieben wurde…und daher wohl der Name von Blankenese: Blanke Nase- BlankeNese… geht das hüber und nübersetzen wohl am besten. So findet die Ecke dort schon um die 1070 Erwähnung. Dann passiert über die Jahrhunderte nen bissl Gentifikation. Wichtige Leute bauen kl. Verteidigungsbürgchen, ein paar Hütten um die Anlegestelle und so. Dann kommen Andere, reissen die Sachen ab und bauen neue, Kirche hat da auch ihre Hände drin, dann kommen eben mehr und mehr hippe Leute die das da ganz schick finden, fangen an zu bauen und vertreiben die normalverdienenen Einheimischen. Nur dauerte das damals ein paar Jahrhunderte und nicht wie in Altona und Eimsbüttel zw. 10 und 20 Jahre. Nun ja im zuge des natürlichen Stadtteilwachstums wurden schicke und mehr und mehr recht stattlich Lebenräume geschaffen. Abgesehen von der Familie Breckwoldt, die dort anscheinend eine Dynastie aufbauen wollten – man sagt wohl jeder zweite Blankeneser stammt von dem, um die vierzehnhundert dort niedergelassenen, ab … wohnen dort ganz verschiedene soziale Schichten.

Baurs Weg Balnkenese Hamburg

Baurs Weg Balnkenese Hamburg

Desmond Morris spricht von ‚altem und neuem Geld‘. Bismark sagte wohl mal die eine Generation arbeitet sich den Arsch ab und macht das Vermögen, die folgende Generation verwaltete es und die dritte studiert Kunstgeschichte. Davon findet man hier nun alle. Das sieht man zum einen an den Häusern und auch an den Bewohnern (Autos – auch gute Indikatoren – stehen Hanglagenbedingt nicht nahe der Wohnhäuser). In Blankenese findet man alte verwitterte Häuser, das sind die charmantesten, in deren Fenstern Kinderbastelarbeiten stehen, der Garten dazu ist ebenfalls etwas wild, man erkennt jedoch die Hingabe des Gärtners. Diese Häuser haben etwas von Lehrer mit Ledertasche.

Bröersweg Blankenese Hamburg Treppen

Bröersweg Blankenese Hamburg Treppen

Dann gibt es die herrschaftlichen vor denen ein massiger Oldtimer stehen würde. Die Fassaden sind sauber und ordentlich, die Treppen vorm Haus und der kleine grüne Rand ums Haus werden von einem Gärtner gekehrt, Bäume sind 1A verschnitten und die Fenster sauber. Dann gibt es die Neubauten, das ist dann meist Morris neues Geld, also nichts vererbtes, in der Familie wurde erst in dieser Generation gelernt wie man sich gibt und benimmt wenn man ne Menge Kohle hat. Aber das ist reine subjektive Interpretation. Wie auch die Schönheit der meist kubischen 
Bauten in Blankenese, die trotz ihrer Form eine gewisse visuelle Symbiose mit den alten Häusern mit Bunten Bleikristallfenstern und Erkern. 

Nun ja, am schönsten ist an dem Viertrl nun die Verschlungeheit kombiniert mit der Verschlafenheit. Zwischen den Häusern, die keiner geometrischen Anordnung zu folgen scheinen, die auch meist von relativ viel Grün umgeben sind schlängeln sich Treppen. Süsse kleine Treppen die zum Beispiel Namen tragen von Leuten die hier einmal ein Grundstück besessen haben: Bröers Weg, Baurs oder Oestmanns Weg. Der Bröers Weg ist vermutlich der süsseste. Er besteht aus Weg und Stufen, schlängelt sich um die verschiedensten Villen und Gärten.

Blankenese Hamburg von der Elbe aus

Blankenese Hamburg von der Elbe aus

Wenn man am Ende dieses Weges angekommen ist trennt einem nur noch ein schmales Stück Land vom Elbwasser. Das ist genau an dieser Stelle kein Stand, eher ne Grasfläche ohne Gras, aber man schaut ehe erst einmal rückwerts Richtung Blankenese um zu sehen wie die Häuser sich an den Hang flanschen. Von der Stelle geht man einfach etwas Stadtauswerts Richtung West. Dort findet man die Fähre auf die andere Seite, möglichkeiten etwas nahhaftes käuflich zu erwerben oder einfach nur nen Kaffee um bei Aufdieelbeschauen in der Hand zu haben.hat man sich vom Abstieg erholt macht es Spass und Sinn sich ein paar kl. strassen auszusuchen und etwas Richtung Nord-West zu laufen. Und hat es dann aber in den Bus verschlagen und wir sind Richtung S-Bahn Blankenese – um in Altona noch etwas zu Essen.

Elbe, Blankenese im Rücken, Cranz im Blick

Elbe, Blankenese im Rücken, Cranz im Blick

Soweitsogut zu Blankenese.

Eidelstedt, erste reale Eindrücke.

Hier nun die ersten realen Eindrücke des Stadtteils. Zu aller erst muss man sagen, dass es hier nichts gibt was es nicht gibt…allen voran kann man hier die Baumärkte nennen. Zehn Minuten entfernt findet man den Praktiker Baumarkt. Reicht der nicht, dann hat man gegenüber den noch nen Tick größeren Hornbach. Davor steht gleich ein Schild „2500 m dieser Strasse folgend finden Sie Max Bahr„. Im und Nahe des Eidelstedt Zentrums finden man dann wie gesagt Alles was zu einer üppigen Versorgungsinfrakstruktur gehört. Angefangen bei REWE, Aldi und EDEKA über Rossmann, Budni(…kovski) bishin zu den üblichen Verdächtigen (Mai Nail, McD, Arco, eine handvoll Buchhandlungen, T-Shop und O2-Laden, Reformhaus, EinEuroLaden, Lokaler Fleischer und Bäcker etc usw usf tbc).
Die para-notwendige Infrastruktur ist die medizinisch induzierte versorgungsrelevante …sprich Ärzte&Co. Die scheint auf den ersten Blick auch ganz gut zu sein. Es gibt ein paar Ärztehäuser, eine Art Gesundheitszentrum (Ärzte, Physio, Apotheken in einem Haus) und auch ein paar Praxen in den alten kleinen villenartigen Familienhäusern die es hier gibt.

Eine kleine Auswahl von den in Eidelstedt ansäßigen Märkten

Kurzum: wenn es um Versorgung und Konsum geht ist Eidelstedt sehr gut erschlossen. Was meines Erachtens daran liegt, dass es ein noch relativ junger Stadtteil ist, der in den 70er/80er Jahren nach städtebaulichen Kriterien ‚konstruiert wurde‘. So richtig wie SimCity und Pizza Connection…“was brauchen wir, dass die Leute da hinziehen 1)Wohnraum 2)Nahrung 3)Krankenhäuser (aka Ärzte) und 4)Beschäftigung (Baumärkte und Mai Nails).“
Was mir an der Stelle fehlt ist jedoch auch Etwas zum Ausgehen. Davon habe ich noch nicht so viel gesehen. Das liegt aber eher daran, das Hamburg nicht Berlin ist. Schon zu Praktikumszeiten, die 6 Monate in 2006, musste ich feststellen, dass die Jungen – um in Kneipe zu gehen und oder oder Party zu haben in die Schanze oder aufm Kiez gehen. Zu Schanze und den Kiez später mal mehr. Nur mal kurz zur Repperbahn: wusstet Ihr, dass das Gebiet um die Vergnügungsmeile einen Kurstatus hat. Das macht es auch möglich dort Läden länger aufzulassen.
Der emotionale Eindruck den ich Eidelstedt habe ist ganz positiv. Die leichte Einschränkung die da mit „ganz“ mitschwingt hängt etwas mit dem Charme der Achtziger zusammen. Und auch dem etwas einheitlich erscheinenden Baustil: roter Backstein. Nur darf man und ich nicht den Fehler machen Hamburg mit seinen relativ jungen Stadtteilen (besonders solche wie Eidelstedt) mit den Bauten aus Pankow, speziell Prenz’l Berg und Pankow, speziell die Florastrasse und angrenzende Strassen, zu vergleichen. Pankow, zu Beispiel, speziell die Florastrasse, ist um die 1900 bebaut worden. Auf den Grundstücken von Gärtnereien wurden diese 4-5 Etagenhäuser gebaut, mit hohen Wänden, dicken Wänden, Wohnungen mit 200qm und extra Eingang für Bedienstete, Stuck in den meisten Räumen. Dem entsprechend sieht das Straßenbild aka die Fassaden der Häuser aus. Zudem sind mir in Relation zu Pankow in Eidelstedt die schmalen Wege aufgefallen die dazu nur mittig, die Hälfte der Breite, mit Platten befestigt sind – rechts und links gibts Kieselschotter.

Einheitsstil Eidelstedt: roter Backstein

In einem kurzen Gespräch mit Steffi, die mich freundlicherweise mit ihrem T4 mit nach Hamburg und wieder nach Hause nahm, resümierte ich über Eidelstedt, dass es doch eher wie eine alte Gartenkolonie wirke bei der in den 8oern die Behausungen mit standardmäßigen Backsteinhäusern ersetzt wurden um Wohnraum zu schaffen. Daher kommen mE auch die Sackgassen und verqueren Straßenverläufe. Zu packen es in eine Nussschale: hier kann man sich ruhig niederlassen und wir werden uns sicher wohlfühlen.

Hier noch einmal ein kl. Eindruck von was ich zur Florastraße meine